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Am Abgrund der Zeit
27-09-2011, 23:46 PM
Beitrag #1
Am Abgrund der Zeit
EDIT BY Raphael: Nebencharakterliste hinzugefügt.
EDIT2 BY Raphael: Kürzelliste hinzugefügt.
EDIT3 BY Raphael: Systematische Karte von Terra hinzugefügt.

Terra-Karte (Click to View)
Nebencharaktere (Click to View)

Wir schreiben das Jahr 2032.
Die Menschheit hat sich entschieden für den Weg, hin zur Erde, weg von der Zerstörung.
Mehr blieb ihr nicht übrig - sonst wäre sie eh alsbald vom Antlitz der Welt gelöscht worden.

Was sich aber nicht geändert hat, sind die Wesenheiten unter ihnen.
Mancher versteckt sich seither, mancher läuft offen auf der Straße herum, und niemanden stört es.
Manche haben Freundschaft geschlossen mit humanoiden Tieren, manche agieren gegen sie,
und manch ein unaussprechliches Wesen sitzt sogar in der Regierung.
Es ist Alltag, dass dir auf deinem Arbeitsweg jemand begegnet, der auf einem Pferd oder Einhorn sitzt -
wobei letzteres seltener ist, da sie sich schwer zähmen lassen.

Maschinen verschwinden allmählich, immer mehr wird wieder von Hand erledigt,
man kommt sich vor wie in alten Geschichten über das Mittelalter.
Pferdekutschen auf Teerstraßen, selten Drachen oder andere Flugtiere am Himmel, die ihre Reiter befördern.
Alles erinnert an die Zeit von vor zwanzig Jahren, aber wie in einem Traum ist alles zerbrochen und die einstigen Großstädte sind frei von Autolärm. Stattdessen hat sich etwas anderes breit gemacht...

Magie.


~ * ~

(Jeder startet irgendwo, ist egal, man kann sich auch erst später treffen, vorerst ein bisschen parallel eigene Story anspielen lassen x3)



Es war früher Morgen, die Luft rein und klar. Vogelzwitschern kündete vom nahen Tag, die Sonne ging gerade am Horizont auf, als ein Tier sich rasch auf vier Pfoten durch das Unterholz schlug. Einmal dem Stadtleben entfliehen, einmal frei sein, nur einen Wimpernschlag.
Er genoss die Stille, wenn die Welt noch schlief. Der schwarze Wolf mit den weißen Beinen und dem seltsamen, langen Schweif, einen lichtgelben Pinsel daran. Eine Strähne war schwarz gefärbt.

Eine kleine Ewigkeit, der rotorange Feuerball am Himmel wanderte aufwärts, färbte sich in orange und anschließend gelb. Der Tag rief.
Der Wolfsartige - seine Art nannte sich Krasáne - schlug eine Kurve ein, um direkt den Rückweg anzutreten. Kunstvoll und grazil hüpfte er über die dicken Baumwurzeln, den Geruch von frischem Gras und Rinde genießend. Ein Piepsen erfüllte die Umgebung.
"Jaja...", knurrte Lor kehlig, etwas angenervt. "So früh am Morgen wollen sie schon etwas..."
Das Geräusch kam von einem kleinen Armband an seinem linken Handgelenk.
Im Sprint schnellte er aus dem Dickicht hervor und raste über die Ebene. Seine langen Beine verliehen ihm die Geschwindigkeit, die ein Gepard im besten Lauf hinlegte, was sich immer wieder als unheimlich praktisch erwies. Sein Ziel lag hinter dem bald auftauchenden Ortseingangsschild, was hinter ein paar Efeuranken, die es halb verdeckten, einen Ort namens "Einbeck" auswies. Nachdem die Autoindustrie derart eingegangen war, kümmerte sich kaum noch jemand um die Intakthaltung des Straßennetzwerkes, wo doch eh viele mit dem Pferd quer Feld ein oder per Luft unterwegs waren - so sie es sich leisten konnten. Züge fuhren noch, man konnte sie magisch betreiben wie früher mit Elektrizität, aber denen war die Teerstraße ja egal.

Lor blieb auf einem Berg stehen und sah hinab auf die gerade erwachende Kleinstadt. Er wohnte nicht hier, er war nur auf der Durchreise. Auf Dienstreise, wenn man so wollte.
Sein Auftrag? Gentechnisches Saatgut sicherstellen und die Verantwortlichen der Gerichtbarkeit übergeben.
Sein Arbeitgeber?
Der Wolf verzog die Lefzen zu einem Grinsen und setzte sich wieder in Bewegung, lief gemütlich den Hang hinab und schreckte dabei ein paar Wildgänse auf.
Eine an sich geheime Organisation, die sich darum kümmerte, solcherlei zu unterbinden, auf öffentlicher Schiene fungierten sie aber auch wie die Polizei, die Diebe einfing oder sonstiges - was Polizei eben so tat.
"Hörst du mich?", schnarrte es knapp aus dem Gerät, das er trug.
"Laut und undeutlich."
"Bleib' stehen, wenn ich mit dir rede!"
"Diesmal nicht."
Der Mann am anderen Ende seufzte. "Wie weit bist du?"
"Weit genug." Tatsächlich steuerte er gerade auf das unübersehbare Konzerngebäude am Rande des Ortes zu. "Verstärkung?"
"Du gehst da allein rein, wir haben niemanden frei oder in der Nähe. Außer..."
"Schick' mir einen Dilettanten und er ist genau so tot wie ein Widersetzender."
"Ich weiß, ich weiß!", murrte der Typ. "Ich schicke dir deine Schwester."
"Na geht doch." Wieder ein Grinsen, ein diabolisches diesmal. "Dass ihr sie immer so zufällig beschäftigen müsst, wenn ich arbeite."
"Wenn ihr zusammen unterwegs seid, hinterlasst ihr nur Chaos und manchmal Tote, das geht einfach nicht! Du müsstest das verstehen, nachdem du schon so lange dabei bist."
Der Wolf knurrte und verlangsamte seinen Schritt, ehe er vor einem verschränkten Gitterzaun stand. "Unfreiwillig."
"Du kannst froh sein, dass ich dir damals den Hals rettete, nachdem jemand dich attackiert und du ihn umgebracht hast. Keiner hätte dich mehr eingestellt, das steht in deiner Akte."
"Leck' mich." Lor tippte mit einer seiner langen Krallen unbeholfen auf einen der Knöpfe, womit sich das Armband abschaltete. Welcher Idiot hatte auch diese dummen Akten für alles Nichtmenschliche eingeführt? Okay, manchmal waren sie nützlich, so für aggressivere Genossen...
Er schüttelte den Kopf, als ob er Wasser aus dem Fell loswerden wollte, dann tappsten die weißen Pfoten durch das frisch geschnittene Gras, bis er irgendwo ein kleines Loch fand, unter dem er sich durchzwang. Der Draht kratzte quer über den Rücken, den eh schon eine lange Narbe zierte, und trieb ihm Blutgeruch in die Nase.
"Na toll, dafür wirst du büßen, Jolèk..."
Die zweifarbigen Augen überblickten die Ebene. Alles war rein - also los.
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28-09-2011, 02:55 AM
Beitrag #2
RE: Am Abgrund der Zeit
Eine schwarze Gestalt hockte auf der Ecke des Flachdaches eines der Gebäude der etwas größeren Stadt, ungeduldig beobachtete er abwechselnd den Horizont und den Bürgersteig unter ihm. Die Sonne ging langsam auf, lange konnte er nicht mehr warten.
Das Gesicht des offenbar Nichtmenschlichen wurde von einer schwarz-weißen Maske verdeckt, die lediglich Sichtschlitze für die Augen hatte, die wiederum von verdunkeltem Glas verdeckt waren. Die Sicht war beschissen, um es freundlich auszudrücken, aber er trug lieber die Maske als erkannt zu werden, sollte ihn gleich jemand beobachten.
Der Rest der Kleidung war mehr oder weniger gewöhnlich: Ein schwarzer Mantel, eine schwarze Jeans, feste Stiefel.

Er seufzte leicht, als die Sonne am Horizont weiter gen Himmel stieg, hatte er doch gehofft, die ganze Aktion mehr oder weniger im Dunkeln zu erledigen, doch sein Ziel schien sich zu viel Zeit zu lassen.
Die Figur linste kurz in eine Seitengasse, die mit vielen Winkeln und Ecken an die Hauptstraße angrenzte. Noch keine Spur.
Doch was war das? Vom Bürgersteig her kam eine andere Gestalt in die Seitengasse, ebenfalls einen Mantel tragend, der Rest war nicht zu erkennen.
Die schwarze Gestalt vom Dach verschwand kurz darauf von eben diesem, ließ sich geschwind an den Feuerleitern herab und folgte der zweiten Person tiefer in die Sackgasse, unter der Maske ein zufriedenes Grinsen formend, während er seine Pistole zog.

Die zweite Person kam direkt am toten Ende der Gasse zum Stehen, schaute sich kurz um, aber machte keine Intentionen, sich umzudrehen. Offenbar hatte er die Präsenz des Maskierten noch nicht bemerkt.
Der Maskierte hob seine Pistole an und zielte bereits auf den Kopf der Figur, die mit einem schwarzen Aktenkoffer in der Gasse wartete.
"Es freut mich, dass Sie es hierher geschafft haben, wenn auch ein wenig verspätet...", sagte der Maskierte in einem ruhigen Ton, ein wenig Blutrunst jedoch schlecht verbergen könnend. Die Vorfreude, gleich einen Schädel über die Wand zu verteilen. Sein Finger verengte sich um den Abzug, während er näher kam.
"Die Freude ist ganz auf meiner Seite...", erwiderte der Kofferträger, noch immer keine Anstalten machend, sich zu seinem Mörder umzudrehen.
"Es ist Zeit, zu sterben", bemerkte der Maskierte ruhig, noch einen Schritt auf den Kofferträger zu machend.
Dieser wiederum nickte bloß leicht, was man lediglich an der Bewegung des Kopfes festmachen konnte.

Es kam unerwartet, der Koffer donnerte gegen den maskierten Kopf und bald darauf fiel eine befellte, abgetrennte, blutige Hand auf den Boden, die Pistole noch immer fest umschließend, und der leblose Körper des Maskierten gleich danach, lediglich zwei Schnitte vorweisend, einen durch die Kehle und einen quer über die Brust.
Der Schwarzfuchs steckte rasch seine beiden Schwerter wieder weg, das Blut auf dem roten Stahl kaum auffallend, nahm seinen Koffer wieder an sich und zog die Maske vom schockierten Gesicht des fremden Wolfes, der dort vor ihm am Boden lag. "Du hattest recht, es war Zeit zu sterben. Bloß bist du von der falschen Person ausgegangen, mein Freund", stellte der Fuchs fest, während er die Taschen des Wolfes durchsuchte und ein kleines Handy herauszog, das er mit einem leichten Grinsen kurz begutachtete, bevor es in der Tasche seines Mantels verschwand. Anschließend trennte er noch einen Finger von der toten Hand ab und steckte diesen in eine kleine Kapsel, die perfekt auf das kleine, längliche Objekt zugeschnitten zu sein schien. Die Pistole nahm er bei der Gelegenheit ebenfalls an sich und verstaute sie an seinem Gürtel, sicher unter dem Mantel versteckt.
Er verblieb noch in der Gasse, prüfte, ob ihn jemand beobachtete, und nahm dann sein eigenes Handy zur Hand, eine einzelne Taste drückend und sich dieses ans Ohr haltend.
"Hab ihn."

°o.-~*~-.o°
Mir fällt kein toller geistreicher Spruch ein.
Hier habt ihr einen grinsenden Toast zum Ausgleich.
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28-09-2011, 18:03 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30-09-2011 18:20 PM von Alexinara.)
Beitrag #3
RE: Am Abgrund der Zeit
Eigentlich liebten sie alle ihren schwarzen Engel in der Notfallaufnahme,
schließlich hatte sie schon den ein oder anderen schwierigen Fall gelöst,
ganze Wochen ohne Unterlass für die Funktion der Station gesorgt
oder gar beinahe übermenschlich Leben gerettet.

Der schwarze Engel war im Endeffekt eine junge Frau,
man mochte kaum annehmen,
dass sie schon Ärztin war und man ihr die besten Aussichten für den Chefarztplatz einräumte.
Alexinara war ihr Name und sie war ein Vampir,
recht ungewöhnlicher Sinnzusammenhang für viele,
doch man hatte sich daran gewöhnt,
dass ein Blutsauger auf der Station für Ordnung sorgte.

Es war früher Morgen in der Stadt,
als ein lautes Gähnen in einer sauber, aber sporadisch eingerichteten Wohnung zu vernehmen war.
Ein weiblicher Körper schälte sich aus dem Bett und ging ins geräumige Bad,
dort steckte sie sich die Haare hoch und besah sich im Spiegel.

"Man sollte eigentlich verbieten,
dass Vampire zur Spätschicht müssen.
Ich seh so beschissen aus...",


sagte sie nicht gerade leise zu ihrem Spiegelbild,
dabei würde jeder andere behaupten,
dass ihre natürliche Schönheit jeden vom Hocker gehauen hätte.
Ihre Schritte führten sie in die anbei liegende Küche,
sie war ebenfalls schlicht gehalten,
bot aber genug Platz, ein großes Menü anzulegen,
nur sehr oft benutzt schien sie nicht.
Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden,
zog sie eine Flasche mit Fruchtsaft hervor und gönnte sich einen Schluck vom kühlen Getränk.
Ihr Gesicht verzog sich etwas,
normale Speisen waren nicht ihre Art,
doch sie hatte gelernt, darauf zurückzugreifen,
der Normalität halber.

Noch völlig unbekleidet machte sie einen Abstecher ins Arbeitszimmer,
dort besah sie sich die aktuellen Nachrichten in ihrem Postfach,
schaltete ihren PC ein und wunderte sich,
wer schon wieder das Blätterchaos in diesem Zimmer angerichtet hatte.
Nach einer Weile kratzte es an einem ihrer Fenster,
es war der Bereich,
der zum weiträumigen Dachgeschoss des Gebäudes führte.

Alexinara beschloss, auch dorthin kurz zu verschwinden,
jedoch warf sie sich vorher einen Mantel über den Körper,
damit nicht die frühmorgendlichen Reisenden ihre Blöße beachten konnten.
Draußen erwartete sie auch schon ihr Drachenbegleiter.
Garidion war schon unruhig am Herumgehen,
da er schon länger nicht mehr längere Strecken zurückgelegt hatte.
Schließlich war Alexinaras Arbeitsplatz kaum 10 Minuten von ihrer Wohnung entfernt,
das reichte dem Drachen nicht,
um sich etwas beansprucht zu fühlen.
Seufzend legte die Vampiress eine Hand an seine Wange,
er schnaufte aufgeregt,
irgendwas schien ihn zu beschäftigen.

"Mich ereilte heute morgen ein Ruf,
in Russland gab es einen Unfall mit einer großen Explosion,
es scheint so,
als wäre eine Gruppe randalierender Drachen zum Spaß auf Vernichtungstour gewesen",


teilte ihr der Drache thelepatisch mit und schaute gen Himmel,
der schon die ersten Anzeichen des Morgens angenommen hatte,
bewölkter Himmel, und kühle Morgenluft umwehte die Haare der Vampiress.

"Gab es Verletzte?",

fragte sie ihren Freund gelassen und genoss die Morgenluft.

"Wahrscheinlich,
das Areal ist sehr groß und beinhaltete viele Einrichtungen zum Wiederaufbau der abgerodeten Wälder,
in dieser frühen Stunde waren nur die Nachtschichtarbeiter dort anwesend gewesen,
es sollen nach meinen Informationen an die 20 Mitarbeiter in 5 Gebäuden gewesen sein."


Kurz verschwand die Vampiress wieder in der Wohnung,
zog sich schnell ihre Reisekleidung über und nahm ihren Rucksack mit.
Da dieser magisch verstärkt war, hatte sie ihre medizinische Ausrüstung stetig dabei,
ein Nicken später saß Alexinara schon auf dem Rücken von Garidion,
welcher sich kraftvoll vom Dach schwang.

"In sechs Stunden fängt meine Schicht an,
ich gebe dir genau eine Stunde, um dort anzukommen,
wehe, ich verspäte mich wegen dir",


teilte sie ihm mit und sah zu,
wie er an Tempo zulegte und die Stadt schnell hinter sich brachte.
Die Reise würde ihm gut tun und Alexinara kam aus der Stadt.
Sie mochte ihre Arbeit,
auch wenn sie lieber die Nächte arbeitete.
Leider war es ihr gesetzlich nicht erlaubt, mehr als fünf Nächte zu arbeiten,
und selbst diese hatte sie sich erst von einem anderen Mediziner bescheinigen lassen müssen,
da man nachweisen musste,
dass sie körperlich und seelisch in der Lage dafür wäre.

~*~
"Beginning new,
something I lost long ago."
~*~
Lexia
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28-09-2011, 23:40 PM
Beitrag #4
RE: Am Abgrund der Zeit
Im Zickzack rannte der Wolf über die Grasfläche, stets im toten Winkel naher Kameras, die er erkennen konnte. Der lange Schweif tarierte jeden Haken und jede scharfe Kurve perfekt aus.
"Wehe, die Leute sind noch nicht vor Ort, dann setzt es was...", knurrte er leise, kam vor einer Seitentür zum Stehen, sah sich noch einmal um und kam auf die Hinterbeine. In gelbweißem Licht wandelte die Form rasant, dann öffnete eine menschliche Hand die Tür und schlich hinein, bevor ein maschinelles Auge etwas sehen konnte.
//Schon komisch, dass sie auf diese urtümlichen Aufnahmegeräte angewiesen sind//, grinste er innerlich. //Als ob sie etwas zu verbergen hätten.//
Etwas stupste ihn geistig an, tastete kurz ab und verschwand wieder aus dem Bewusstsein des Schwarzhaarigen, der sich gerade durch den komplett dunklen Raum schlich. Schnell wurde es ihm zu doof, sodass er die Augen schloss und die menschliche Gestalt doch ablegte, um auf bessere Augen zugreifen zu können.
Sofort leuchteten die Gegenstände in seiner Umgebung auf, er erfasste die farbigen Auren und durchsuchte die ganzen roten, grünen, gelben und teilweise hellblauen nach irgendetwas, was ihm beschrieben worden war.
Jedoch hatte er nicht damit gerechnet, hier auf Leben zu stoßen. Hinter dem Tisch links bewegte sich etwas, das um die Ecke lugte und ihn scheinbar beobachtete. Eine Mutation... Ein großer Salamander? Es züngelte. Schlange? Es war sehr länglich. Nein...
"Drache!", rief Lor im Affekt und sprang der plötzlichen Flamme aus dem Weg, die neben ihm die Wand versengte.
"Na warte." Um nichts zu riskieren, beschwor er kein Licht oder sonstiges, sondern griff in halber Morphe auf den ihm eigenen Atem zurück, um ihn direkt dem Vieh entgegen zu werfen - blaues Feuer, nicht annähernd so hell wie das rotorange eben.
Das Schoßhündchen zog sich hinter den Tisch zurück, aber Lor setzte direkt nach und pustete ihm das Feuer komplett auf den Leib. Der Drache quietschte lautstark und eklig, die Luft füllte sich mit dem Geruch von angeschmorten Schuppen, verbrannten Haaren und Fleisch.
"Buah..." Lor hob einen Arm vor die Nase, blaue Schuppen schmiegten sich an.
Rasch sah er zu, aus dem Raum zu kommen.
Der Blick reichte durch die Wand hindurch, dort war alles in Ordnung. Der nunmehr Blauhaarige schob leise die dicke Stahltür auf, schlüpfte auf den hell erleuchteten, weißen Gang hinaus und ortete die Gegend.
//Pff, selbst wenn sie meine Schwester herschicken, wer sagt, dass sie rechtzeitig da ist? Sie könnte gerade in München sein, oder gleich in Cairo am besten.//
Die drachenartigen Ohren zuckten, der Blick wandte sich um. Tiefschwarze, pupillen- und irislose Augen fixierten den Mitarbeiter im Kittel, dem seine Kaffeetasse aus der Hand fiel. Klirrend zerschellte sie am Boden.
"Oh, hoppla, das tut mir sehr leid."
"Ein Monster!!", schrie der Mann und machte auf dem Absatz kehrt.
Sofort setzte er ihm nach und war mit den kräftigen Sprunggelenken fast instant da. Die Füße, nur noch auf den Ballen laufend, erinnerten mit den Krallen und den blauen Schuppen mehr an Drachenfüße, auch die Beine hatte sich anatomisch verformt. Krallenbewehrte Pranken hielten den fliehenden Forscher an den Schultern fest.
"Na na na, wo wollen wir denn hin?" Ein starker Schweif bewegte sich sachte durch die Luft.
"Was immer du willst, verschone mich!" Er sank zu Boden und verschränkte die Hände über dem Kopf, aber das Grinsen wich aus Lors Gesicht, als er gerade aus direkt in eine erhobene Desert Eagle starrte. Die Kollegin mit dem kurzen braunen Haar grinste böse.
"Stirb."
Im Reflex ließ der Halbdrache sich sofort vornüber fallen, die Kugel zischte knapp über seinem Scheitel hinweg.
"Hui..."
Sie schoss gleich nochmals, traf dabei den Forscher an der Schulter, der aufschrie und jetzt ganz lag, Lor hüpfte jedoch grazil aus dem Weg, bis ihn ein Schuss im Fuß stoppte und schließlich die scheinbare Hobbyschützin im Doppelschuss das Herz traf.
Die Welt wurde dunkel.

~ * ~

"Du Trottel", knurrte jemand. Ein feuerroter Krasáne preschte über die Ebene.
"Wer auch immer dich bewusstlos geschossen hat, Gnade ihm Gott!"
Ein Auto kam quietschend zum Stehen, doch noch bevor der Fahrer aussteigen konnte, war der Wolf auf dem Feld anbei vorbeigerast.
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29-09-2011, 01:08 AM
Beitrag #5
RE: Am Abgrund der Zeit
Der Fuchs suchte sich einen Ausweg durch eines der benachbarten Häuser, dessen Tür zur Seitengasse hinaus ging. Sie war zwar verschlossen, aber es war nichts, das ein gezielter Schnitt mit einer scharfen Klinge nicht erledigen konnte. Mit einem Schwert im Anschlag spähte er durch das Treppenhaus, jedoch schien gerade niemand dort zu sein, und offenbar war er leise genug, keine der Einwohner genügend aufzuschrecken, als dass einer von ihnen nachschauen würde.
Koron verließ das Haus durch die Vordertür und während er nun die Straße entlang lief, seinen Koffer in einer Hand und das Handy in der anderen, hörte er eine tiefe, männliche Stimme am anderen Ende, die sagte, "Gut, ich wusste, auf dich ist Verlass. Gab es nennenswerte Schwierigkeiten?"
Koron zögerte kurz. "Nein, alles lief glatt", antwortete er mit gesenkter Stimme. Es war zwar gerade niemand direkt neben ihm und die Straße im allgemeinen noch vergleichsweise leer, doch wollte er nicht das Risiko eingehen, dass ihn jemand hören würde.
"Verstehe. Du weißt, wo du die Beweise hinzubringen hast?", knarzte es aus dem Handy.
"Aye."
"Sehr schön. Wir sehen uns dort in zwanzig Minuten", kam es aus dem Telefon, kurz bevor der Gesprächspartner auflegte. Koron seufzte kurz und packte dann das Handy weg, leicht das Gesicht verziehend. Zwanzig Minuten waren sehr knapp für das, was er zuvor noch erledigen wollte. Eine kleine Besorgung, die er gleich brauchen würde.

Der Fuchs beschleunigte den Schritt, noch nicht direkt rennend, es war mehr ein äußerst zügiger Gang. Passanten, die ihm ungelegenerweise in den Weg kamen, drückte er unsanft beiseite, bis er in einem kleinen Motel am Rande des Ortes ankam, in das Zimmer 118 eilte, wofür er zunächst eine kleine Treppe bewältigen musste, und dort unter dem Bett mit der durchgelegenen Matratze einen Rucksack herauszog, den er hastig durchwühlte, bis er eine kleine Kapsel herauszog, gerade groß genug, dass sie gut in seiner Hand lag. Die Kapsel war grau und undurchsichtig, an einer durchgehenden Naht zusammengehalten.
Der Fuchs packte die kleine Kugel vorsichtig in seine Manteltasche und eilte wieder aus dem Zimmer heraus, wohl darauf achtend, die Tür hinter sich zu schließen, konnte er es sich nicht erlauben, dass jemand zu neugierig wurde und in seinen Sachen herumschnüffelte.

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29-09-2011, 09:21 AM
Beitrag #6
RE: Am Abgrund der Zeit
Die Luft war vergleichsweise kälter in Russland,
ein eisiger Wind pfiff der Vampiress um die Ohren,
gefühlte Minusgrade erwarteten sie am Unglücksort.
Garidion landete sanft auf einem breiten Helikopterlandeplatz mitten auf dem Gebiet,
das Feuer hatte inzwischen den Wald um die Gebäude herum vernichtet,
die Tierwelt hatte sich schon längst in Sicherheit gebracht
oder war elendig umgekommen.
Schon von weitem hörte man einige Einsatzkräfte
Feuerwehr und Rettungsdienst des kleinen Ortes herumwuseln.
Da der Gebäudekomplex nicht direkt in der Großstadt lag, konnten die großen Hilfskräfte auch nicht sofort eintreffen.
Alexinara schüttelte den Kopf,
sie hatte kein Verständnis für eine derartige Desorganisation,
schließlich musste man auch in "Friedenszeiten" damit rechnen,
dass irgendwelche Randalen Stress machten.
Die Absicherung solcher Anlagen hätte ihrer Meinung nach deutlich besser ausfallen können.

"Schau dich in der Gegend um,
wenn du die Raufbolde zu fassen bekommst, erteile ihnen eine Lektion.
Ich nehme kaum an, dass sie dir gewachsen sind,
wahrscheinlich sind es eh nur Jungdrachen,
die gerade mal das Fliegen gelernt haben",


sendete sie ihrem Begleter,
der alsbald wieder in der Luft entschwand.
Die wenigen Meter bis zum Einsatzort legte sie schnell zurück,
die Leute beachteten sie gar nicht erst,
denn sie waren damit beschäftigt, verzweifelt das große Feuer noch irgendwie zu löschen.
Die beiden Gebäude,
welche am schlimmsten beschädigt worden waren, brannten noch lichterloh,
die kleinen Wasserstrahlen schienen da nicht zu helfen.
Den Rucksack auf den gefrorenen Boden ablegend, ging die Vampiress in eine andere Haltung über,
die Hände legte sie offen vor den Körper und manifestierte Energie in ihnen,
es entstand eine rote Feuerkugel,
die kurz darauf einen Sog ausübte,
der mit dem Feuer in beiden Gebäuden synchronisierte.
Ein lautes Zischen war zu hören,
als mit einem Mal alles Feuer sich aufgelöst hatte,
nur noch in den geöffneten Handflächen sah man das Feuer,
was sich dezimierte und dann vollends verschwand.

Erst jetzt wurden die Einsatzkräfte ihrer Anwesenheit bewusst,
einige klatschten noch völlig erleichtert,
andere knieten ob der Erschöpfung nieder.
Schnell erreichte Alexinara,
ohne sich dabei um die Leute zu kümmern,
das provisorisch eingerichtete Lazarett.
Dort erkannte sie schon fünf gerettete Mitarbeiter,
die einen mehr, die anderen weniger verwundet.
Nach ihrer Rechnung waren noch 15 vermisst,
oder schon längst gestorben.
Ihr Blick glitt zu den beiden Rettungsärzten,
die zwischen den schwereren Fällen hin und hergingen,
einer sah sie an und erkannte in ihren Augen ihren Willen,
nickte kurz und nahm ihr die Tasche ab.
Sie lächelte und ging aus dem Lager heraus, die Gebäude gaben ein bedrohliches Knarzen von sich.

"Dann wollen wir mal...",

sagte sie zu sich selbst und setzte zum Sprint an.
Sie hatte nur noch wenig Zeit und es schien,
als würde die Statik des Gebäudes diese Zeit noch weiter zu minimieren.
Das Feuer war gelöscht, vereinzelt jedoch glühte noch das angegriffene Metall der Haltesäulen,
kein Feuerwehrmann ohne Anzug hätte hineintappen können,
Alexinara bewegte sich aber ganz natürlich in der Hitze weiter.
Ihre Sinne öffneten sich und suchten nach Lebenszeichen,
einen Herzschlag, Atmung, irgendetwas.
Gerade erreichte sie das 2. Stockwerk von 5,
als sie eine Präsenz wahrnahm,
eine Frau und ein ältere Mann hatten sich im Servervorraum versteckt,
die Kühleinheiten der ganzen Technik hatten sie vor dem Hitzetod bewahrt.
Doch gerade als sie ausatmen wollte, hörte sie ein Knistern.
Die Versorgung der Server schien zusammenzubrechen,
mehr noch, ein Gebäudebalken direkt über den Verletzen gab seinen Geist auf.
Rasch ging sie von der Wand aus direkt ins Zimmer hinein -
ihre besondere Fähigkeit, sich zu dematerialisieren, erlaubte ihr das -
und fasste beide Verletzten bei der Hand.

Da sie ihre Sprache nicht verstanden, schickte sie diese direkt in den Schlaf,
damit sie sie nicht mit hektischen Bewegungen stören konnten.
Gerade hatte sie sich die Dame über die Schulter geworfen,
da kam ihr auch schon der Gebäudebalken entgegen,
eine Sekunde später hatte er sich verabschiedet,
zertrümmert und zum Teil eingeschmolzen fristete er sein Dasein an seiner Einbruchsstelle,
zumindest soweit wieder stabil,
dass er nicht gleich heruntersausen würde.
Gleichfalls lief es so die anderen drei Stockwerke,
wobei sie schnell zwischen Ausgang und Gebäude hin und herwechselte,
und immer mehr von den Vermissten herausförderte.
Als das erste Gebäude komplett durchsucht war,
fanden sich im Lazarett gerade mal elf Leute,
die Vampiress wusste, dass sie nicht alle retten könnte.

Der Gedanke war gerade durch ihren Kopf gefahren,
als das zweite Gebäude zusammenbrach.
Wütend biss sie sich auf die Unterlippe,
während sie zusah, wie es langsam wie ein Kartenhaus zusammenfiel.
Gerade noch hatte sie zumindest drei Lebenszeichen dort ausmachen können,
doch in den Trümmern waren sie alle verschwunden.
Als einer der Ärzte auf sie zukam, schüttelte sie den Kopf,
er verstand, dass die Rettungsaktion beendet war.

Augenblicklich kramte sie ihre Utensilien aus der Tasche hervor und versogte den Rest.
Zum Glück hatten die Rettungskräfte, was das medizinsiche Material anging, gute Arbeit geleistet.
Sie verband gebrochene Knochen,
nähte Platzwunden zu und verabreichte intravenöse Medikamente,
die einzig schlimmere Wunde hatte ein Mann davongetragen,
dessen Arm eine starke Verbrennung erlitten hatte,
doch diese konnte nur in einem sterilen Operationssaal behandelt werden,
zumindest nach normalen Maßstäben.
Die Vampiress scheuchte das Personal weg und legte dem Mann die Hand auf die Stirn.
Auch wenn das die medizinischen Erkenntnisse sprengte, war ihr in dem Moment ein nicht verbrannter Arm lieber.
Helles Licht legte sich auf die Vebrennung,
langsam löste sie sich ab und hinterließ sauberes, gesundes Gewebe.
Als sie geendet hatte, schaute sie der Arzt verwundert an,
seine Kinnlade war ein Stockwerk nach unten gerutscht.
Mit einer sachten Handbewegung richtete sie diese und packte ihre Sachen zusammen,
Garidion hatte inzwischen wieder auf dem Landeplatz Stellung bezogen,
sein großer Kopf schaute sich ruhig um.
Die Menschen wichen instinktiv bei seiner Größe zurück,
schließlich gehörte er nicht gerade zu den normalen Drachen dieser Zeit,
er war um ein vielfaches älter und damit auch größer.

Alexinara schwang sich ohne ein weiteres Wort über seine Pranke auf seinen Rücken,
er setzte mit einem kräftigen Flügelschlag an und sich in Bewegung,
die Rückreise begann.

"Die Jungdrachen hatten sich in einem Bergmassiv versteckt,
als ich sie stellte, teilten sie mir großspurig mit,
dass sie einen Teil der Forscher direkt vor Ort gefressen hatten.
Ich habe sie leben lassen, ohne Flügel...",


teilte ihr der Drache sachlich mit und Alexinara nickte.

"Ich frage mich,
wer als erstes auf die Idee kommen wird, sich über alles andere zu stellen,
wo wir doch gerade den Punkt erreicht hatten,
dass man auch so leben kann,
ohne andere schlechter zu machen und sich höher zu stufen..."

~*~
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Lexia
[Bild: 136085.png]
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29-09-2011, 10:11 AM
Beitrag #7
RE: Am Abgrund der Zeit
Eine kräftige Wasserwoge hob die Tür einfach aus ihren Angeln und ließ sie laut zu Boden krachen. Eigentlich war sie unverschlossen gewesen, aber das interessierte die rothaarige Dame nicht, die noch in Kampfstellung verharrte.
Niemand hier...
"Kommt raus, ihr Bastarde!", rief sie frei in den Raum und schlich vorwärts. Blutgeruch verriet ihr, dass sie den richtigen Weg genommen hatte, aber bei den Sinnen kein Wunder.
Instinktiv ging es links in den Flur, um die Ecke, und schon hatte die Frau mit den langen Wolfsohren gefunden, was sie suchte. Eine Blutspur, wo jemand weggeschleift worden war. Die nächste Tür schlug unter der Wucht einer Hand auf, auch wenn die Krasánin es gleich bereute, weil ihr die Handkante wehtat, aber ein Klicken lenkte sie ab.
"Keine Bewegung!"
Ein verführerisches, verspieltes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, während sie die Hände langsam hob. Ein seltsames Bild, mit den äußerst langen Krallen daran, aber wahrscheinlich kratzte es die Frau vor ihr nicht einmal, immerhin hatte sie gerade neben sich einen halben Drachen liegen.
"Ich wollte nur meinen Begleiter abholen."
"Ich fürchte, das ist unmöglich." Sie gab mit ihrer Pistole den Wink zur Wand. "Handflächen an den Stahl, los."
Die Rothaarige fügte sich, sofort kamen zwei andere herbei und hielten diese fest gegengedrückt, stämmten sich mit vollem Körpereinsatz gegen ihre Beine und Arme.
Lor lag reglos auf dem Boden, vermutlich hatten die Idioten seinen Tod festgestellt, was rein vom Herzschlag und der Atmung auch stimmte. Blut rann aus seinem Fuß, aber ihnen hätte auffallen müssen, dass die Herzwunde keine Spuren zeigte, nur den rot umrandeten Einschuss.
"Und was macht ihr nun mit uns?", fragte sie simpel in den Raum. Ihre Sprache hatten einen exotischen Klang an sich, das S war seltsam gezischt.
"Ich denke, wenn wir euch an mir bekannte Forscher verkaufen, bringt das ein gutes Sümmchen und wohl auch einen Fortschritt für die Menschheit." Ihre Hand klopfte dem Halbmetamorphen auf die Schulter.
Die Krasánin riss sich halb los. "Finger weg von...!"
Interesse regte sich in der Kontrahentin. "Ja? Ihr scheint mehr als nur Begleiter zu sein, nehme ich an. Ein Liebespaar?"
"Sicher nicht", fauchte sie.
"Wie auch immer." Die Frau hielt Blickkontakt zu einem Mitarbeiter. "Schaffen Sie die Dame und den Toten hier raus, möglichst in einen Käfig, wo sie von allein... nicht mehr rauskommen... Argh!"
Wasser hatte sich unbemerkt um der Kommandantin Hals gelegt und drückte langsam zu.
"Lasst mich frei", befahl die Rothaarige.
Sie grinste nur, versuchte, irgendetwas zu greifen. "Das kannst du doch selbst."
"Stimmt." Sie verpasste dem nächsten eine kräftige Kopfnuss, der sofort hintenüber fiel, eine starke Platzwunde an der Stirn. Dank der Drachenknochen konnte ihrereins eben mehr als nur Kopfschmerzen verursachen.
Der andere zitterte, als sie den Kopf wand und ihn ansah.
"Schlaf' schön." Ohne Vorwarnung spie sie ihm etwas ins Gesicht, er schrie und wischte sich darüber, doch zu schnell erlahmten die Bewegungen.
"Und nun zu dir", flüsterte sie und sah sich einer wackelnden Pistole entgegen. "Ich konnte dich einfach erwürgen."
"Dann tu's doch!"
"Nein." Sie wich der ungezielten Kugel aus und zog die Hände aus ihren Handschellen, die vom Wasser aufgebogen wurden und klimpernd zu Boden fielen. Die filigranen Finger schmiegten sich an die Wange der Forscherin, die nur vor Schmerz und Anstrengung das Gesicht verzogen hatte.
"Wo sind die Genproben, die ihr unrechtmäßig anfertigtet?"
"Deswegen... seid ihr hier...", keuchte sie.
"Nur deshalb, alle anderen Scherereien hättet ihr euch ersparen können, hättet ihr gleich kooperiert."
"Ihr ließt uns keine Wahl!"
"Oh, tatsächlich? Mein Fehler." Grinsend fuhr die Angreiferin ihr mit der langen, dünnen Zunge über die Nase. Sie war am Ende zweimal gespalten.
"Schlange!", kreischte sie und stieß rückwärts an den Tisch.
"Oh, hat da jemand Angst vor diesen wunderschönen Tieren?"
"Geh' weg, geh' weg!" Panik stieg in dem gebeutelten Gesicht auf.
Eine krallenbewehrte Pranke schloss sich um der Rothaarigen Knöchel.
"Hör' auf zu spielen..."
Die schwarzen Augen des Drachen sahen auf, bevor er sich aufstemmte und den Kopf schüttelte, dass die blauen Haare flogen.
"Oh mein Gott, er lebt ja wieder!"
"Er war nie tot", korrigierte die Lady und ließ sie fallen. Auf dem Boden lag die Kugel, die das Herz zerschossen hatte, inmitten einer kleinen Wasserlache und etwas Blut.
Ohne weiteren Kommentar trat sie zurück, er hingegen packte die Forscherin am Kragen. "Wo sind sie?" Eindringlich knurrte Lor, tief kehlig grollend.
Erschöpft zeigte sie nur zur Seite auf eine Tür.

~ * ~

"Dass du immer solches Aufsehen erregen musst..." Sie verschränkte die Finger hinter dem Kopf und schlenderte den Kieselweg zum Eingangstor entlang. Die Kameralinsen der Umgebung waren eingeeist worden.
"Ich gebe zu, dass ich zu langsam war." Er sah auf und knuffte sie am Oberarm. "Du hättest die Forscher trotzdem nicht töten müssen, das gibt nur wieder Ärger."
"Ja, entschuldige bitte, sie wollten mir nicht aus dem Weg gehen."
Er schüttelte seufzend den Kopf. Ein Piepen erreichte sein langes Wolfsohr in derselben Farbe wie die Haare. Dieses Mal war es aber das Armband seiner Schwester, sein eigenes hatte er ja abgeschaltet.
"Was gibt's?"
"Seid ihr erfolgreich gewesen? Lor hat lange nichts mehr hören lassen, zu lange, und ich erreiche ihn nicht."
Sie schaute vielsagend zu ihm herüber. "Der läuft neben mir."
"Der Sack soll seinen Empfänger wieder klar schalten!"
"Er hört dich laut und deutlich."
"Mir egal. Habt ihr das Saatgut?"
"Nunja, nicht mehr."
"Sehr gut. Die Forscher?"
"Zwei tot."
Ungehalten knurrte der Mann am Ende der Leitung. "Was?! Ihr inkompetentes Pack von tötungswütigen..."
Die Stimme erstarb, als auch die Rothaarige das Armband abschaltete.
"Ich habe dir gesagt, dass es Ärger gibt, Verehrteste."
Sie zuckte nur mit den Schultern. "Soll er uns doch suchen, ich kehre erst einmal wieder zurück."
"Wo warst du überhaupt?"
"Hannover, liegt eine halbe Stunde zu Pfote von hier."
Er grinste diabolisch. "In der Masse sollen sie uns finden."
Ohne weiteren Kommentar sprang sie vor, die Hände ausgestreckt, aber als sie den Boden berührten, waren es langkrallige Pfoten, die rasant vorpreschten.
Ein schwarz-weißer Wolf folgte dem roten mit den schwarzen Zeichnungen an hinteren Füßen und dem Schweif.
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29-09-2011, 13:06 PM
Beitrag #8
RE: Am Abgrund der Zeit
Der Fuchs erreichte bald sein neues Ziel, ein altes Parkhaus, das mittlerweile ungenutzt zwischen einigen Häusern stand. Der Beton hatte an vielen Stellen Risse, einige Teile der Zwischenböden waren sicherlich schon eingestürzt und man konnte es dem Gebäude ansehen, dass es schon lange nicht mehr so genutzt wurde, wie es zu seiner Bauzeit vorgesehen war. Nur eine kleine Gasse zwischen zwei Apartmentgebäuden bildete den einzigen Zugang dorthin, und eben diese Apartmentgebäude waren etwas höher als das Parkhaus, gerade so, dass man von dessen Dach nicht ohne weiteres sehen konnte, wer auf den Dächern der Wohngebäude war.

Koron atmete einmal tief durch, bevor er sich in eines der Wohnhäuser begab, dessen Tür schon von irgendjemandem aufgebrochen wurde, vermutlich um selbst auf das Dach zu kommen. Das Parkhaus konnte vorerst warten.
Mit vorgehaltener Pistole schlich er zügig durch das Treppenhaus, dessen Wände schlicht weiß gehalten waren mit einem dunkelgrauen Mischsteinboden für die Treppen. Es war niemand im Treppenhaus, bis er vor der Tür zum Dach stand, die ebenfalls sichtlich beschädigt wurde. Der Fuchs drückte diese leicht auf und spähte hinaus, die Pistole in einem Winkel haltend, dass er schnell auf etwas schießen konnte, das ihm dummerweise vor die Nase sprang.
An der Ecke des Daches hockte ein Mensch, der durch ein langes Gewehr hinunter auf das Dach des Parkhauses spähte und über ein Funkgerät mit irgendjemandem kommunizierte. Er sprach leise, doch der Fuchs konnte ein wenig davon aufschnappen.
"Keine Spur von ihm... ja, ja, schön auf den Kopf, ich weiß...", murmelte der Mann in das kleine schwarze Gerät. Seinen Partner konnte er nicht verstehen, dafür hatte das Funkgerät zu sehr geknarzt, als dass er von dieser Entfernung deutlich etwas verstehen könnte, doch war die Sache für ihn schon längst klar.
Sein ominöser Auftraggeber hatte ihn ursprünglich gebeten, einen Lieferanten bei einem kleinen Deal zu erledigen, mit einer Konkurrenzgruppe, die wohl schon des öfteren Mitglieder dieser beseitigt hatte, und umgekehrt. Ihm wurde ausdrücklich gesagt, er müsse sich keine Sorgen machen, das ganze würde komplett banal ablaufen, der andere Kurier würde schon in der Gasse stehen, er sollte ihn bloß schnell töten und seinen Finger mitbringen. Das Zögern bei seinem kleinen Telefonat beunruhigte ihn weiter. Sie hatten nie geplant, dass er zurückkommen würde.
Geduckt schlich sich der Fuchs von hinten an den Scharfschützen heran, seine Schritte mit jedem Meter beschleunigend, bis er den Menschen schließlich zu packen bekam, ihm eine Hand vor den Mund haltend und das Schwert durch die Kehle stoßend. Sein Opfer ließ das Gewehr genau an der Kante des Hauses liegen, der Körper hörte rasch auf zu zappeln, und über das Funkgerät meldete sich wieder die knarzende Stimme.
"Und denk dran, Malek, wenn du den Kopf nicht erwischen kannst, schieß nicht. Du ruinierst bloß den Pelz. Verstanden?", kam es aus dem kleinen Gerät, Koron verzog bei dieser Aussage das Gesicht zu einer Grimasse aus Wut und Abscheu. Er hob das Gerät auf und betätigte den kleinen Schalter an dessen Seite. "Verstanden. Laut und deutlich."
Die Stimme im Funkgerät meldete sich nicht zurück, stattdessen hörte der Fuchs vom Dach des Parkhauses die Stimme seines Auftraggebers laut herumbrüllen, etwas über flohverseuchte Scheißer und dergleichen.
Koron wollte sich gerade des Gewehr schnappen, als ihm schon die ersten Schüsse entgegenflogen, in der Hektik stuppste er das Gewehr jedoch bloß mit seiner Hand an und schubste es so vom Dach, dabei leise fluchend und sich von der Dachkante zurück ziehend.
"Verdammt nochmal. Erst schießen, dann fragen!", fluchte er zu sich, als er sich durch die Tür wieder ins Treppenhaus begab, seine Pistole erneut zückend, und sich rasch nach unten bewegte, dabei immer den Finger am Abzug, falls sich einer seiner neuen Freunde zum Spielen zeigte. Fast hätte er geschossen, als er ein kleines Mädchen im Hausflur stehen sah, das ihn entsetzt anschaute, daneben seine etwas füllige Mutter, beides Känguruhs. Koron seufzte leicht auf und nahm die Pistole runter, als er an den beiden vorbei wollte, doch da kam auch schon die erste Gesellschaft, und macht ihn mit einem sehr lauten Knall darauf aufmerksam, dass diese über eine funktionierende Schrotflinte verfügte.
Der Fuchs hastete zurück zur letzten Treppe, diese geschwind hinaufsteigend. Sein Verfolger war ihm dicht auf den Fersen, doch als dieser grade den Fuß der Treppe erreichte, stach ihm ein blutrotes Schwert von oben durch den Kopf. Der Fuchs folgte bald darauf über das Treppengeländer und die Leiche des Menschen sank leblos zu Boden, noch einen letzten Schuss gegen die Wand abgebend. Ohne groß nachzudenken, sicherte sich Koron die Waffe und ging wieder an der Mutter mit ihrem Kind vorbei, letzteres nun lauthals schreiend und weinend. Koron versuchte, es zu ignorieren, als er die letzten beiden Treppen nach unten nahm. Sein Puls raste, und so gut es sich auch anfühlte, hatte er keine Lust, weiter an diesem Ort zu verweilen.
Das Funkgerät meldete sich erneut mit knarzender Stimme. "Du kannst weglaufen, aber wir werden dich finden, wohin auch immer du gehst."
Der Fuchs nickte sachte zu sich selbst. Vielleicht sollte er dann dafür sorgen, dass es keine Verfolger gibt. Alles in allem schuldete man ihm ohnehin noch Geld...

°o.-~*~-.o°
Mir fällt kein toller geistreicher Spruch ein.
Hier habt ihr einen grinsenden Toast zum Ausgleich.
.-~*~-.

ManFox

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29-09-2011, 16:02 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29-09-2011 16:03 PM von Raphael.)
Beitrag #9
RE: Am Abgrund der Zeit
Die wärmenden Lichtstrahlen der Sonne erhitzten stark das Innere des mehrstöckigen Gebäudes, das kurz nach jenem legendären Tag vor guten 20 Jahren gebaut wurde. Langsame Schritte führten den Schwarzgewandten durch den langen Flur. In Gedanken reflektierte er etwas die Geschichte der letzten Jahre.



Nachdem die Medien von den ersten Impulsen von Magie berichteten, hatte er selbst unlängst jene Gabe für sich entdeckt. Doch konnten nicht alle von anfang an ihre Kräfte kontrollieren, was zu dramatischen Unfällen führte. Einer der größten Ereignisse war im März 2014, wo ein jugendlicher, beherrscht von seinen Kräften, eine große Explosion in einem Hochaus in Manhatten auslöste. Das Gebäude fiel direkt danach in sich zusammen, von dem Auslöser blieb nicht einmal Asche übrig. Die Anzahl der Toten wurde damals auf 52 beziffert.
Nach einigen großen hin und her in der öffentlichen Politik, sowie der anfänglichen misstrauischen Verfolgung von Antropomorphen, Drachen, Halbhumanoiden und anderen Wesen, hatte man sich doch dazu entschlossen den Wandel der Welt mitzumachen, anstatt sich konservativ an alte Gepflogenheiten zu klammern. Insbesondere als auch namenhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zum Teil direkt oder indirekt von magischen Ereignissen betroffen waren, wurde der Kanon nach Anpassung lauter.

Ein Beschluss der UN und NATO ließ schließlich eine neue Organisation entstehen: Die NGEO ( Next Generation Essence Organisation ). Diese erhielt den Auftrag möglichst international die neuen "Phänomene" zu untersuchen, sowie Studien zum Umgang und Integration mit den verschiedenen Wesenheiten anzufertigen, auf deren Basis dann weitere Beschlüsse gefasst werden könnten. Die Zentrale wurde auf einer künstlich angelegten Insel südwestlich der britischen Insel errichtet und erhielt den Namen "Terra". Dieses neue Land wird international als Neutral betrachtet. Dadurch ist es jeder Nation möglich, auch in Krisenfällen, die Dienste, Möglichkeiten und Verbindungen der NGEO zu konsultieren, um ein großflächiges Chaos durch "instabile Individuen" (kurz UI - Unstable Individual) zu verhindern.
Der Begriff "instabiles Individuum" hatte sich damals als Bezeichnung für all jene geprägt, die über besondere Kräfte verfügen, dies jedoch noch nicht zu kontrollieren vermögen.
Um auf solche Personen möglichst effektiv und schnell reagieren zu können, wurde unter enormen Zeitdruck eine Spezialeinheit geschaffen, bestehend aus Psychologen, speziell ausgebildeten Soldaten, sowie Mitgliedern einer paramilitärischen Unterorganisation der NGEO - Die ISF (Independent Supernatural Force).

Mitglieder der ISF sind zumeist ausgesuchte Personen, die über außergewöhnliche Kräfte verfügen, und diese in den Dienst der Welt stellen. Da die NGEO unabhängig von anderen Ländern ist, kann in der ISF jede Nationalität und jede Wesenheit aufgenommen werden. Neben einem anständigen Lohn gibt es auch weitere Vergünstigungen für diese "Elite".
Bis zum Jahre 2020 hatte diese Spezialeinheit in mehreren Einsätzen Erfahrung sammeln können, und sich ein gewisses Maß an Respekt und Anerkennung verdient.

Jedoch haben einige Länder eigene Bestrebungen unternommen, um sich international mit eigenen SF-Truppen einen Vorteil zu verschaffen. Andere Regionen hingegen verleugnen bis heute die Existenz anderer Wesenheiten im eigenen Land und verfolgen, und exekutieren sie.
Um das zu verhindern, gibt es heute in fast jeder Botschaft der Welt eine NGEO-Abteilung, sodass insbesondere auf instabile Individuen schnell reagiert werden kann, aber auch um ungerechtfertigt verfolgten zumindest temporär "Asyl" anbieten zu können.

Ein großes Problem, was ebenfalls von der NGEO zu lösen galt, war, ein neues, internationales Recht zu schaffen, was den rechtlichen Umgang mit neuen und außergewöhnlichen Kreaturen zu regeln hatte. Vieles des neuen Rechtekatalogs basiert auf der UN-Menschenrechtscharta. Dazu zählen unter anderem das Recht auf Leben, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, sowie das Recht auf freie Meinungsäußerung. Gleichzeitig wurde der Grundsatz verankert: "Sofern es organisatorisch, technisch, sowie biologisch möglich ist, soll für jede Lebensform, die des Denkens und Sprechens fähig ist, der Rechtekatalog des Landes, in dem sie leben so gelten, als seien sie von Natur aus Menschen. Alles weitere regeln neue Gesetze oder Richtlinien, die aber in keinem Fall im Widerspruch zu der New Charta der NGEO stehen dürfen."
Für besondere Fälle von internationaler Tragweite wird der bereits bestehende internationale Gerichtshof verwendet.

Neben der ISF gibt es auch andere Abteilungen der NGEO, die sich mit verschiedenen Bereichen befassen. Darunter Forschung & Entwicklung, Logistik, Straftechnik, Diplomatie, Sicherheitstechnik, sowie Aufbau.
Insbesondere der Forschungsabteilung wird weltweit großes Interesse beigemessen, ist es doch hauptsächlich nur dort möglich effektiv die Magie in seinen Strukturen zu untersuchen, sowie Erkenntnisse mit bereits bestehender Technik zu kombinieren.

Der erste große Durchbruch kam 2025, in der es erstmalig gelungen war, magische Energie in einem künstlichem physischem Behälter zu speichern. Große finanzielle Investitionen kommen von überall, um die Forschung zu fördern, um unter anderen neben Drachen und anderen Flugkreaturen neue, "saubere" techniche Fortbewegungsmittel zu entdecken. Aber auch die Waffentechnik wird vorangetrieben, gibt es doch ab und an Probleme mit erscheinenden, sehr aggressiven Lebensformen.



Raphael wurde einst von der NGEO angheuert. Die Geschichte, wie es dazu kam, bringt ihm heute noch ein nachdenkliches Lächeln auf seine Züge.
Als bei einem der ersten Einsätze der ISF im Hamburger HBF jene vor Ort ein männlichen UI vorfanden, aus dessen Körper Blitze schossen, versuchte zunächst ein Psychologe mit dem Mann zu reden. Dieser war panisch vor Angst, und schrie, dass sich ihm keiner nähern dürfe. Er wolle niemanden verletzen.
Doch just in dem Augenblick schoss eine weitere Energieentladung aus seinem Körper, und hätte den Helfer erwischt, wenn nicht eine magische Barrikade sich plötzlich zwischen ihm und der Entladung gestellt hätte. Der Verursacher, ein schwarzgewandter Humanoider, trat aus dem Schatten der Halle heraus. Dabei zog er die Barriere immer enger um den panischen, und verengte somit seinen Wirkungsradius. Als der Wächter schließlich bei ihm stand, legte er eine Hand auf die Stirn des Unkontrollierten, und kaum einen Augenblick später verstummten die Blitze.

Das war 2015.

Bis heute hatte niemand herausgefunden, was konkret Raphael dort gemacht hatte, doch es hat derart Eindruck hinterlassen, das man ihn auf Terra einlud. Nach einigen Fragen,sowie Kräftetests, teilte man die Stärke seiner Kräfte einer von 5 Kategorien zu.

Dabei gibt es folgende Aufstellung:

Kategorie A - Einfache Kräfte, die von rein äußerlichen Besonderheiten nur jene minimal nutzen lies. Darunter fallen unter anderem Leute, die ihre Augenfarbe direkt Wechseln können, oder eine biologische Veränderung der Haut haben, welche sie besser klettern lässt.

Kategorie B - Mittelmäßige Kräfte, die schon einfache magische Wirkungen beinhalten, zusätzlich zu allen Eigenschaften der Kategorie A. U.a. Wesen, die unter Wasser Atmen können, zählen zu dieser Kategorie.

Kategorie C - Höhere Kräfte, die Wandlungen, oder mittelgroße magische Wirkungen beinhalten. Zu Kategorie C zählen auch sämtliche flugfähigen Wesenheiten.

Kategorie D - Hohe Kräfte, die größere magische Wirkungen oder Transformationen enthalten. Wesen der Kategorie D sind dazu in der Lage ganze Verbände leichtfertig auszulöschen, oder auch komplizierte Heilungen vorzunehmen. Die meisten UI sind Kategorie D.

Kategorie E - Unklassifiziert große Kräfte, deren Ausmaß über Regionen hinweg wirken können. Da Wesen der Kategorie E generell eine Bedrohung für sich und ein jedes andere Lebewesen darstellen können, ist es der ISF generell bei allen UIs, aber auch allen anderen dieser Kategorie erlaubt selbige zu eleminieren.

Raphael bekam nach den ersten Tests im Jahr 2015 die Kategorie C zugewiesen. Als drei Jahre später die Tests überarbeitet wurden, und mehr Genauigkeit garantierten, ermittelte man für ihn die Kategorie D. Gleichzeitig setzte man fest, dass jedes Mitglied der ISF jedes Jahr einmal einen Kräftetest machen musste, konnten sich doch Kräfte über die Zeit hinweg auch weiterentwickeln.
Bis heute hatte sich der Wächter meist zurückgehalten, und nie zuviel von sich, seinen Fähigkeiten und seinem Wissen preisgegeben. Sein guter Umgang mit Kamaraden bescherte ihm jedoch bald eine gute Akzeptanz.
Vor einigen Tagen wurde er zum Bereichsleiter der ISF befördert, hatte der vorherige doch zuvor seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten.

Heute war er das erste Mal auf den Weg zu seinem neuen Arbeitsplatz auf der Insel Terra.


"But I'am still here!
I'm still alive!"

(I Exist - Giving my life)


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29-09-2011, 21:42 PM
Beitrag #10
RE: Am Abgrund der Zeit
In ihrem Heim angekommen musste Alexinara erstmal feststellen,
dass ihre Kleidung nicht mehr das Gelbe vom Ei war und dringend weg musste.
Schnell zog sie sich um und riskierte einen Blick auf die Uhr,
der Zeiger zeigte auf kurz nach 12,
in einer halben Stunde sollte ihre Schicht beginnen.
Ein Teammeeting war angesetzt,
wie die Vampiress es gerne nannte auch die
"Zusammenkunft von vielen unnützen Ideen".
Die Haare zu einem Zopf gebunden,
schnell noch den Rucksack verstaut,
schnappte sie sich noch eine Flasche Wasser,
ihr Namensschild und die IDKarte.

Einen Moment später war sie in der Luft,
Garidion flog einen großen Kreis über die nun hellwache Stadt.
Fliegende Drachen waren hier immer noch ein seltener Anblick,
schließlich war Hannover trotz seiner Größe irgendwie normal geblieben.
Schon noch kurzer Zeit sah man das Gebäude, in dem Alexinara arbeitete,
oder eher nächtigte, wenn das Gesetz es ihr wieder mal erlaubte.

Das Klinikum Hannover Mitte war zunächst ein Neubau von 2013 gewesen,
bis es nach 15 Jahre Bestehen und starken Veränderungen in der Weltbevölkerung sich anzupassen anschickte,
denn inzwischen musste man auch magsiche Fälle behandeln,
und immer wieder fanden sich auch Wesen ein,
die eben nicht wie ein normaler Mensch Medikamente einnehmen oder operiert werden konnten.
2028 war der Neubau in Auftrag gegeben worden,
eine Station für magsiche Sonderfälle wurde geplant,
sowie Umgestaltungen für mehr Natur auf dem Gelände angestrebt,
das Flachdach des Krankenhauses,
welches eine Fläche von einem Fußballfeld maß, hatte einen Grasanstrich bekommen,
war mit einigen Büschen und Bäumen bepflanzt worden,
und bot Fischfreunden auch einen kleinen Teich zur Erholung an.
Die Umbauarbeiten dauerten zwei Jahre.
Als das Gebäude seinen "zweiten Geburtstag" feierte,
fand auch Alexinara ihre Anstellung in der neuen Notaufnahme,
die war nun auch für spezielle Wesen ausgerüstet,
gar Drachen hätte man behandeln können,
dafür war im Anbau eine größere Halle hergerichtet worden,
jedoch maß sie "nur" 15 Meter,
sodass eher die jüngere Generation an vorherigen Fabelwesen dort Platz gefunden hätte.

Nachdem sie grazil von Garidions Pranke auf das Gras des Daches abgesrungen war,
dabei einige Besucher des Dachparkes fast in einen neuerlichen Herzinfarkt geritten hätte,
schrieb sie sich per Lesegerät in der Schicht ein und zog sich ihren Kittel über.
Ein "Alexinara" prangte an ihrer Brust und zeichnete sie als Krankenhauspersonal aus.
Ihr Weg führte sie ins Erdgeschoss und ins Personalzimmer,
dort hatten sich schon einige des Teams unmotiviert zusammengesetzt.
Als Alexinara das Zimmer betrat, schaute sie ihr Teamleiter David an.

"Sag mal, kann es sein,
dass du heute einen Besuch in Russland gemacht hast?
Oder wie kannst du dir die News von heute erklären?",

fragte er sie in einem leicht hysterischen Tonfall und deutete auf einen Display,
worauf man ihre Silouette vor einem einstürzenden Gebäude sehen konnte.
Alle Blicke waren auf sie gerichtet,
vor Aufregung, was sie nun sagen würde,
weniger war es Verachtung ihrer Person gegenüber.

"Ja klar,
wenn Menschen sterben,
oder drohen zu sterben, kann ich doch nicht fehlen.
Und ganz ehrlich,
dort in der Eiswüste Nordrusslands hätte kein Einsatzteam so schnell hinkommen können",


klärte sie ihn auf und nahm sich einen Stuhl,
damit sie am Ende des Tisches ihren Platz einnehmen konnte.

"Okay, okay, du bist als Heldin prädestiniert,
musst du aber für beinah Herzinfarkte sorgen,
wenn du zur Arbeit kommst?",


setzte er den Dialog fort,
irgendwie schien er an diesem Tag aufgekratzt.
Alexinara vermutete,
dass es mal wieder sein Ego angeschlagen hatte,
dass sie irgendwo etwas erreicht hatte,
was ihm verwehrt bleiben würde auf Ewig.

"Du meinst Garidion?
Ich bitte dich, womit soll ich sonst zur Arbeit kommen?",


fragte sie ihn, dabei lustlos eine Salzstange kauend,
eine Pflegekollegin hatte ihr schon schelmisch zugezwinkert.
Sie liebte derartige Unterhaltungen zwischen ihnen,
alleine, weil David ihr nicht gewachsen war und seine großkotzige Art hier scheiterte.

"Lex,
du hast einen eigenen Parkplatz,
verdienst verdammt gut Geld für ein Auto und den Sprit, gar Straßenbahn,
das Krankenhaus würde dir sogar deinen Arbeitsweg bezahlen,
warum kommst du nicht wie jeder normale Mensch zur Arbeit?",


beklagte er sich beinahe weinerlich,
weil er wusste, dass er kein starkes Argument zustande bringen würde.

"Erstens, lieber David: Ich bin definitiv nicht NORMAL.
Zweitens: Der Parkplatz ist bei Besuchern bestimmt besser aufgehoben
als bei mir, denn ich kann anders anreisen und du kennst die Platzprobleme in Hannover.
Drittens: Willst du wirklich riskieren, dass ich mit meinem Lieblingsfahrzeug ankomme?
Du weißt, welchen Wagen ich mir hab herstellen lassen,
der wäre doch etwas zu auffällig für das KRH, oder?",

konterte sie und nahm sich schon einen Übergabezettel zur Hand,
welchen sie nun gekonnt für wichtiger einstufte als Davids blasses Gesicht,
der mit dem offenen Mund keinen weiteren Kommentar erübrigen konnte.
Resigniert schüttelte er den Kopf und eröffnete die Teambesprechung,
wieder ging es um Schichten, Auslastungen und geplante Treffen.

~*~
"Beginning new,
something I lost long ago."
~*~
Lexia
[Bild: 136085.png]
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29-09-2011, 22:43 PM
Beitrag #11
RE: Am Abgrund der Zeit
Menschen riefen erstaunt aus, Fremde sahen ihnen nach, als die zwei Wölfe galant durch die Straßen rasten, ungehalten und frei. Selbst als ein Polizeipferd neben ihnen entlanggaloppierte, hielt der Reiter nur kurz, ehe er seinen Weg fortsetzte. Sie verstießen gegen keine Regeln, abgesehen davon, dass ein normales Pferd nicht mit ihnen mithalten konnte.
//Ich muss wieder zur Arbeit. Amüsiere dich ein bisschen, ja? Aber bleibe nicht zu lange ungeschützt.//
Lor nickte ihr unmerklich zu. //Ich weiß.//
Schon jetzt spürte er, wie die Energie der Menschen leicht an ihm zerrte. Über all die Jahre hatte sie nie an Zerstörungswut und Gefährlichkeit verloren.
Innerlich sandte er ihr ein Lächeln. //Was machst du eigentlich, schneidern?//
//Mal dies, mal Schmuckhandwerk, was mir gerade in den Sinn und die Hände kommt//, erwiderte sie fröhlich und sprang kurzerhand von einer Brücke, breitete lange, recht schmale lederne Schwingen aus und segelte über die sporadisch befahrene Straße hinweg. Ihr Bruder tat es gleich, nur dass seine dunkelblauen Flügel zwischen den Fingern noch libellenartige, weißgelb-grüne Fortsätze besaßen, die das anatomisch seltsame Bild komplettierten.
An einer Kreuzung landeten sie, unweit der Brücke, zogen die Schwingen ein und folgten dem Plattenweg, bis ein gelb-schwarz kariertes Tor sich vor ihnen auftat, das sie beiseite ließen.
Ein Hund bellte sie an, aber das kümmerte weniger. Nicht mehr lange, dann blieben sie vor einem großen Gebäude an einem halb verfallenen Denkmal stehen.
Die Rotfellige wandte sich ihm zu, leckte über seine Wange. //Passe auf dich auf. Bis zum nächsten Mal.//
//Du auch, Schwester.//
Die Lefzen zu einem komisch anmutenden Lächeln verzogen, nickte sie zum Abschied und drehte sich um. Im nächsten Moment war sie davon gesprintet.

~ * ~

Da er schon einmal hier war, folgte Lor dem ersten Gedanken, der ihn erreichte. Auf raschen Pfoten war es nur ein Katzensprung, sozusagen, bis der Wolf stehen blieb und zu einem gewaltigen Dach aufsah. Das Gebäude dazu machte einen ziemlich futuristischen Eindruck.
//Hoffentlich hat sie gerade Dienst...//, dachte er bei sich und tappste auf den Eingang zu, ungeachtet der Leute, die hier unterwegs waren, Patienten, Angehörige, Team, Fremde. //Wir haben uns ewig nicht mehr gesehen, glaube ich. Naja, ich und mein Gedächtnis. "Zu lange" reicht schon.//
Kaum hatte Lor die Drehtür passiert, kam schon eine Angestellte vorbei.
"Wem gehört der... was auch immer, Wolf, dingens?"
Natürlich antwortete niemand, er blieb nur stehen und schaute treudoof auf.
"Hier ist Maulkorb- und Anleinpflicht!"
"Entschuldigt", erwiderte der Angesprochene kehlig, worauf die Dame knapp zurückschreckte. In fließender Bewegung ging er auf die Hinterbeine und war direkt humanoid, die langen Ohren zuckten, bevor er den Kopf etwas schief legte und lächelte.
"Äh, äh...", stotterte sie.
"Einen angenehmen Tag noch", nickte er ihr zu und ließ die verwirrte Frau stehen.
//Gut, wie und wo finde ich sie jetzt... Chirurgie wollte sie doch mal machen. Nee, sagte sie nicht etwas von Notaufnahme? Ja, kann sein...//
Der Krasáne mit dem auffälligen hell cyanblauen Haar sah sich um. Wenn sein Blick den eines anderen traf, schaute derjenige stets rasch weg. Immer das gleiche.
Die Aushängeschilder verrieten ihm den Weg, aber er wollte ja nicht aufgenommen werden. Also irgendwie die Station finden, die dazugehörte...
"Ich bitte um Verzeihung, wo finde ich die Station, in die Notfälle direkt aufgenommen werden?", erkundigte er sich unverfroren an der Information. Diese Kollegin schenkte ihm ein Lächeln, war solche Anblicke wohl schon eher gewohnt. Ohne Umschweife bekam er einen Weg gewiesen, aber im Endeffekt gab es doch eigentlich gar keine dafür? Wurden die nicht gleich aufgeteilt auf die jeweiligen Bereiche?
Ach, was verstand er denn davon. Einfach nur dem Weg nach. Irgendwo würde er schon landen.
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30-09-2011, 00:22 AM
Beitrag #12
RE: Am Abgrund der Zeit
Vor der Tür bewegte sich ein Schatten, hastig spurtete der Fuchs zur danebenliegenden Wand und drückte sich dagegen, eine seiner Klingen ziehend und die Augen starr auf die Tür gerichtet, die alsbald aufsprang und einen großgewachsenen Mann mit einem Revolver präsentierte. Der Schwarzfuchs zögerte keinen Moment, als er die Waffe sah und rammte dem Fremden, der sich in eben jener Sekunde zu ihm drehte, die Klinge durch den Bauch, wodurch dieser aus Reflex einen Schuss aus seiner Kanone abgab.
Ein stechender Schmerz in seinem rechten Arm ließ den Fuchs zusammenfahren, das Schwert fiel zu Boden und der in rot getränkte Verband machte deutlich, dass sich eine Kugel direkt durch seinen Unterarm gebohrt hatte. Schmerzensschreie tunlichst unterdrückend fluchte der Anthro kurz mehrmals auf, sich mit zusammengebissenen Zähnen den Verband so richtend, dass die Wunden wieder verdeckt waren, und sich einige Sekunden gegen die Wand gelehnt sammelnd, scharf Luft zwischen seinen Zähnen einsaugend. Es war halb so schlimm, dank seiner Mutation hatte er ohnehin weniger Gefühl in dem Arm, und wenn es auch nicht mehr so einfach war, konnte er den Arm noch gut bewegen, auch wenn jeder größere Aufwand mit Schmerzen verbunden war.
Koron atmete noch einmal tief ein, als er vorsichtig das Schwert wieder aufhob, diesmal mit der linken Hand, und schritt aus der Tür hinaus auf die Straße, sich vergewissernd, dass keiner der Männer hinter der Ecke wartete.
Der Weg zum Parkhaus war frei, Scharfschützen waren auf die Schnelle nicht zu erkennen, so entschloss sich der Fuchs für einen Sprint, was sich in Anbetracht der Kugeln, die auf dem Weg an ihm viel zu knapp vorbeizischten, als eine dumme Idee herausstellte. Doch es gab kein Zurück, das Parkhaus war betreten und vorerst kehrte Ruhe ein. Seine Augen brauchten nicht lange, um sich an die dunkleren Gegebenheiten zu gewöhnen, und mit vorgehaltener Pistole in der Rechten, was auf Dauer zwar schmerzte, aber noch erträglich war, und einem Schwert bereit zum Schlag in der Linken tastete er sich durch das Gebäude. Es gab zwei Wege, einmal die alten Auffahrten für die Autos, und dann das Treppenhaus. Koron zögerte, welcher Weg besser wäre. In einem Treppenhaus gab es nicht viele Möglichkeiten, sich zu verstecken, aber im Falle einer Begegnung gäbe es nicht viel Platz für einen Kampf. Auf dem anderen Weg war deutlich mehr Platz, aber auch Platz für mehr Feinde.
Kurzerhand entschied sich der Fuchs für das verdeckte Treppenhaus, was sich im Nachhinein als die bessere Wahl entpuppte. Niemand wartete auf ihn, was er zwar für verdächtig hielt, ihm aber im Moment lieber war als ein Überraschungsangriff. Die Stufen waren brüchig, gelegentlich fehlte auch ein Stück, das abgebröckelt und irgendwo nach unten gerollt ist. Die obere Tür war aus Glas, man konnte von beiden Seiten sehen, was auf einen wartete. Leider war eine der Scheiben zerbrochen, sodass man nicht vor Lärm der jeweils anderen Seite geschützt war. Der Fuchs spähte erneut vorsichtig um die Ecke, und wie er vermutete, versteckten sich zwei Männer direkt hinter den Ecken der Auffahrt, einer hatte seine Augen strikt darauf gerichtet, der andere behielt die Tür im Auge. Koron schreckte zurück und wich wieder hinter die Ecke. Hatte man ihn gesehen? Ein erneuter kurzer Blick bewies das Gegenteil. Nun musste er irgendwie die Wache überwältigen, ohne sofort die Aufmerksamkeit des Anderen zu erwecken, doch wie?
In dem Moment fiel ihm einer der besagten Brocken ins Auge, der von der Treppe abgefallen war. Er war etwas größer als eine Hand, und schwer genug um ordentlich Lärm zu machen, würde er herunterfallen. Koron steckte die Pistole weg und wechselte das Schwert wieder in seine rechte Hand, um mit der linken den Brocken aufzuheben und auf die nächsthöhere Treppe zu werfen. Er traf eine Kante, und der Stein rollte die Treppe mit einigem Knallen herunter. Der Schwarzbefellte verschanzte sich wiederh hinter der Wand, geduldig wartend. Wenn er Glück hatte, würde eine der Wachen nachsehen kommen, was das für ein Geräusch war. Wenn er Pech hatte... nunja...
Er hörte, wie sich langsam die Tür öffnete und eine Pistole, seiner neuen ganz ähnlich, streckte sich in den Gang, geführt von zwei Händen, die sofort gepackt wurden, begleitet von einem Schrei, der brutal gestoppt wurde.
*Verdammt nochmal, sie müssen immer schreien, wenn es am ungünstigsten ist...*, dachte sich der Fuchs still und wartete wieder, der andere würde bald kommen. Und wie er es tat, so verschwand auch er hinter der Ecke. Weiter nach oben ging es durch das Treppenhaus nicht, da Trümmer des eingestürzten Raumes den weiteren Weg blockierten, also entschied sich der Fuchs wohl oder übel, die Auffahrt auf das Dach zu nehmen. Die Parkhalle war leer, doch nichtsdestotrotz überprüfte Koron jede Ecke, bevor er weiter ging, um gleich nicht durch einen Angriff von hinten überrascht zu werden.
Nachdem er sich überzeugen konnte, dass die Halle leer war, spähte er um die Ecke, die Auffahrt hinauf. Da er nicht wusste, wieviele Feinde er überhaupt hatte, konnte er sich jedoch nicht sicher sein, ob nicht hinter den Ecken wieder Wachen postiert waren, so wie eben. Da kam sein kleines Spielzeug ins Spiel. Der Fuchs zog mit einem vorsichtigen Griff die kleine, graue Kugel mit der Naht aus seiner Manteltasche: Eine selbstgebastelte Rauchbombe, die anstatt mit einem Zünder, ähnlch wie Nitroglyzerin durch eine starke Erschütterung ausgelöst wurde. Das Rezept brachte ihm ein Dieb bei, für den er in der Vergangenheit mal eine "Besorgung" erledigt hatte, und schon oft konnte er auf diese kleinen Goldstücke zählen.
Der Fuchs atmete nochmals tief durch, bevor er die Kugel mit voller Kraft etwa auf die obere Hälfte der Auffahrt schleuderte. Es gab einen dumpfen Knall, und grauer Rauch verteile sich rasch über die gesamte Auffahrt, die Koron nun rasch erklamm. Im Rauch tastete er kurz mit ausgestrecktem Arm um sich, falls jemand dumm genug war, in das Meer einzutauchen, und schlüpfte genau an der linken Ecke der Auffahrt wieder hinaus, seine unmittelbare Umgebung untersuchend und sich an die weiße, von Rissen gezierte Wand drückend.
Es gab überraschenderweise keinen Lärm. Kein Geschrei, keine unkoordinierten Schüsse, keine hektischen Schritte, nichts. Hatte sich sein Auftraggeber schon verzogen?
Mit dem Rauch lüftete sich auch die Verwirrung: Nein, der Auftraggeber, ein pummeliger Mann in einem gelben Jackett, stand dort, mitten auf dem teilweise von Gras überwucherten Dach, eine Maschinenpistole in der gesenkten Hand und den Fuchs geduldig beobachtend.
"Schöner Auftritt, wenn auch sinnlos. Du hast meine Männer schon alle erwischt, und eine solche Show zu meinen Ehren? Ich fühle mich mehr als geehrt", kam es von dem Mann, der nun seine Waffe erhob und auf Koron zielte, "Lass uns das Gerede überspringen und die Sache hinter uns bringen, oder?" Sofort nach Beendigung des Satzes flog bereits die erste Kugel.
Das Oberteil des gelben Jackets färbte sich rot und die Waffe fiel zu Boden, während Koron mit wütender Miene und ausgestreckter Pistole auf den Mann zulief. Eine weitere Salve von drei Schüssen schallte über das Dach, bis der Fuchs vor dem Häufchen Elend stand, ihm die Pistole vor die Stirn haltend.
"Was sollte der Scheiß?!"
Die Stimme des Anthros war von Zorn durchtränkt, ein Zustand, den man bei ihm nicht unbedingt oft erleben konnte.
Der Mann am Boden hielt sich die blutverschmierte Hand vor die Brust, tief durchatmend und den Fuchs mit weit aufgerissenen Augen ansehend. Stille.
"Warum wolltest du mich töten lassen?!", brüllte Koron ihm ins Gesicht.
"I-i-i-ich...", fing der gelb-rote Haufen an, "...F-Fell..." Mehr kam nicht heraus.
Ungläubig zog der Anthro eine Augenbraue hoch. "Fell?", wiederholte er langsam, seine Stimme nun bedrohlich ruhig, "Du kranker Scheißer wolltest mir das Fell abziehen?"
Korons Gegenüber nickte hastig, langsam die Farbe im Gesicht verlierend, "G-guter Preis... A-auf d-dem Schwarzmarkt..."
Der Fuchs lachte kurz auf, seine rechte Gesichtshälfte zuckte kurz zusammen, bevor er aufstand und die Pistole wegpackte, sich mit einer Hand über sein Gesicht wischend. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, zog er sein Schwert mit der linken Hand und rammte es dem Menschen in die Leiste, nur um es kurz darauf wieder heraus zu ziehend, nachdem der halb verstummte Schrei nicht die gewünschte Reaktion war. Er schüttelte seufzend den Kopf, der Kerl war fertig. Das Portemonnaie nahm er ihm aus der Manteltasche, prüfte es auf seinen Inhalt und steckte es ein, das Parkhaus in einem ruhigen Tempo verlassend.

Korons Arm fing an, stärker zu schmerzen als je zuvor, nun, da das Adrenalin langsam verflog. Ein Besuch im nächstgelegenen Krankenhaus wäre wohl eine gute Idee, bevor er sich aus der Stadt verzog...

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30-09-2011, 12:08 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30-09-2011 14:11 PM von Raphael.)
Beitrag #13
RE: Am Abgrund der Zeit
Ein Klicken ertönte, und die Tür zu seinem neuen Büro schloss sich hinter Raphael. Eingehend begutachteten seine Augen den großen Raum. Direkt die Wand gegenüber der Tür war vollständig verglasst. Das Licht der Sonne hatte keine Probleme durchzudringen, und jetzt am frühen morgen hatte der Bürostuhl den wärmenden Schein im Rücken.
Seine Sinne ausstreckend, tastete der Schwarzhaarige seine Umgebung mental ab, um mögliche Überbleibsel oder lebendige Überraschungen in diesem Raum auszuschließen. Zwar wäre es äußerst ungewöhnlich, wenn gerade hier ein "unbekanntes Objekt" seinem Lebenssinn nachging, doch war Raphael stets vorsichtig. Nachdem auszuschließen war, dass sich hier, neben ein oder zwei Fliegen, nichts anderes war, schritt er näher zum Fenster.

Für die geographische Lage Terras konnte man das heutige Wetter als äußerst gut und angenehm betrachten. Zumeist regnete es hier, zogen doch die Niederschläge von der britischen Insel meist auch hierrüber. Sein Büro befand sich im dritten Stock, sodass es ihm möglich war, einiges von dem Gelände zu überblicken.
Ein herannahender Flugtransporter wurde gerade von einigen Lotsen eingewiesen, und eine Truppe der ISF trat zunächst im Gleichschritt, dann weitaus lockerer aus der Heckklappe des zweimotorigen Hubschraubers. Sie kamen gerade von einem Einsatz zurück, und ein wenig Wehmut stieg im Wächter auf, hatte ihm doch seine Arbeit direkt an der Front auch Freude bereitet. Doch dazu würde er hin und wieder auch noch kommen, war er selbst doch einer der wenigen Mitglieder der Kategorie D. Das Team ging gerade in Richtung ihrer Quartiere, als es an der Tür klopfte.

"Come in!", sprach er in flüssigen Englisch und wandte sich gen Tür. Diese Sprache war auch nach dem Beginn des neuen Zeitalters die Weltsprache.
Die Tür öffnete sich langsam, und eine zierliche Dame im typischen Edel-Büroangestellten-Outfit betrat das Zimmer. Es war Rezlan, eine blauhäutige Humanoide der Kategorie B mit der Fähigkeit unter Wasser zu atmen. Mit ihr hatte Raphael bisher nur selten zu tun gehabt, war sie doch die persönliche Assistentin seines Vorgängers. Gleichzeitig schien es so, als hätte sie keinen Beinamen, jeder nannte sie stets direkt "Rezlan". Doch ab jetzt war sie ihm unterstellt. An den Gedanken eine eigene "Sekräterin" zu haben musste er sich noch gewöhnen.
"Mister Liskor, excuse me, but I have to talk with you", preschte es etwas ruckartig aus ihr herraus und schloss hinter sich die Tür.
Raphael deutete ihr sich auf einen bequemen Sessel an seinem Arbeitstisch zu setzen, während er selbst neben seinem eigenen Platz stehen blieb. Unverzüglich kam die Blauhäutige der Aufforderung nach. "Bevor ihr euer Anliegen vorbringt - bitte - nutzt eure Heimatsprache Deutsch", sagte der Wächter ruhig. Es gab nur wenige auf der Insel, die dieser Sprache mächtig waren, und obwohl das Englische durchaus seine Eleganz und Schönheit hatte, wollte er stets jede Möglichkeit nutzen auch einmal seine hiesige Muttersprache zu nutzen.

"Wie ihr wünscht. Ich würde gern mit euch über eure Arbeitsweise reden, schließlich war ich die letzten 15 Jahre allein Herrn Umerow unterstellt. Und da ich mit euch noch kaum gearbeitet habe, wäre es, meiner Meinung nach, am besten gemeinsame Regeln für die Zusammenarbeit zu finden." Sie verliert keine Zeit, und bringt ihr Anliegen schnell auf den Punkt, analysierte der Magier innerlich. Lächelnd setzte er sich auf seinen Bürostuhl, sodass er auf "gleicher Ebene" mit Rezlan reden konnte.
"Dies ist für uns beide eine neue Situation. Ich denke, es wäre gut, wenn sie mir zunächst ein Briefing geben, worin ihre bisherige Arbeit bestand, und... im Vertrauen... was meine neuen Befugnisse eigentlich alles ausmachen." Die Dame runzelte etwas die Stirn, woraufhin Raphael weiter erklärte: "Ich kam leider bisher nicht dazu, den doch Recht umfangreichen Bogen mit den 'Rechten und Pflichten' durchzuarbeiten. 300 Seiten sind nicht mal ebend so gelesen und behalten."
Innerlich fluchte der Schwarzhaarige, denn wenn es eines gab, was selbst in dieser neuen Welt gleichgeblieben ist war es Bürokratie.

Die Mundwinkel der Aquarinerin zogen sich nach oben, als sie leise lachend anfing zu erzählen. "Also - das ist schon einmal eine gute Grundlage. Herr Umerow konnte sich den Inhalt des Katalogs auch nie merken - dafür war ich zuständig. Dann will ich einmal anfangen zu erzählen: Ich habe bisher die Organisation von Terminen, sowie die Weiterreichung von Anweisungen an die zuständigen Stellen getätigt. Gleichzeitig habe ich auch das Telefon 'betreut', und etwaige Nachrichten weiter gereicht. Zusätzlich war ich für die Archivierung der alten Einsatzberichte zuständig, womit wir bereits zu ihren Aufgaben kommen..."
Nein, bitte nicht noch mehr Bürokratie! Gnade!

"...die unter anderem in der Zusammenstellung der Teams, Verwaltung des Budgets, Kontrolle von Berichten, sowie Beauftragen und Freigabe von Einsätzen und Resourcen beinhalten." Worauf hatte er sich da nur eingelassen, fragte der Raphael sich innerlich. Rezlan bemerkte an den Gesichtszügen ihres neuen Vorgesetzten, dass er nicht gerade glücklich darüber war, was er zu hören bekam.
"Doch keine Sorge - Für die meisten dieser Aufgaben gibt es spezialisierte Abteilungen, wie das finance- oder personaldepartment. Sie sind lediglich die vorletzte Instanz in der Hierarchie der NGEO, können sich also quasi... überall einmischen, müssen es aber nicht. Ausgenommen sind Einsätze der Kategorie D und höher, wo ihre Entscheidungsgewalt unabdinglich ist." Die wieder entspannteren Gesichtsmuskeln des Wächters lockerten auch das auftreten seiner Gesprächspartnerin etwas. Zu Anfang etwas steif, nun sich entspannter hinsetzend erklärte sie weiter.
"Wie ich ebend schon sagte, sie sind die vorletzte Instanz in der Hierarchie, und sind allein dem Präsidenten der NGEO unterstellt. Also solcher haben sie auch grundsätzlich die Entscheidungsgewalt bezüglich der Eleminierung von Kategorie E Individuen. Dieses Thema ist jedoch noch ein anderes..."
"Inwiefern?"
"Grundsätzlich steht im Handbuch der ISF, das, sofern das eigene Leben, das von Kameraden oder Zivilisten durch ein Wesen der Kategorie E direkt bedroht ist, diese von sich aus die Möglichkeit haben nach eigenem Ermessen zu handeln. Sollte jedoch nicht direkt Gefahr im Verzug sein, sind sie der nächste Entscheidungsträger, darauf folgt die des Präsidenten der NGEO, und als letzte Instanz gibt es den Internationalen Gerichtshof."

Das hörte sich schon viel besser an, so konnte er durchaus seinen eigenen Interessen nachgehen.
"Des weiteren liegt dort auf dem Tisch in dem Umschlag ihre neue Berechtigungskarte. Damit erhalten sie die Sicherheitsfreigabe 7, also Vollzugang zur kompletten Insel."
Der Umschlag war ihm bisher noch garnicht wirklich aufgefallen, so wanderte sein Blick zu selbigen. In Gedanken reflektierte er: Höchste Sicherheitsfreigabe - Interessant. Als "normaler" ISF-Soldat hatte man maximal Freigabestufe 5. Man kam also in Hochsicherheits-, aber nicht in kritische Bereiche.
"Die Stufe 7 Karte verwendet auch ein etwas anderes System, das vor magischer Sabotage sowie Dublizierung schützen soll. Dazu wurde der Karte eine magische Energiezelle implantiert, die ein bestimmtes Muster beschreibt. Sollte eine direkte magische Einwirkung auf die Karte erfolgen, platzt diese Zelle, und das Muster, sowie die Karte werden unbrauchbar. Als Magieanwender sollten sie also aufpassen, dass sie die Karte vor eigenen Wirkungen schützen, sonst kommen sie nicht mehr durch die Haustür", lächelte die Blauhäutige.

"Na wunderbar - Soll heißen, wenn mich irgendeine Riesenkreatur droht unter seinem Fuß zu zermalmen habe ich die Wahl: Entweder Platt-Kur, oder Hausverbot", witzelte der Wächter. "So ungefähr", lachte die Dame.

"Ich denke, wir versuchen uns erstmal irgendwie zu arrangieren. Geben sie mir das weiter, was sie müssen, und ich versuche mich in allem zurecht zu finden." Seine Sekräterin nickte und erhob sich. Beim rausgehen wandte sie sich nochmals um. "Das wichtigste hätte ich fast vergessen. Sie haben doch bereits ihr neues Codec? Damit haben sie stets eine direkte freie Leitung zur Insel, zur Einsatzabteilung und zu mir."
Das sogenannte Codec war ihm bereits aus der ISF wohl vertraut. Dabei handelt es sich um eine Art Mini-Lautsprecher, der dem Ohr fest eingesetzt wird und ähnlich wie ein Funkgerät ist. Für gewöhnlich werden die Kommunikationswege von der Zentrale hier auf Terra verwaltet, sodass nicht jeder mit jedem kommuniziert, und das Codec nicht ständig aktiv ist. Es konnte auch von jedem Benutzer individuell ein und ausgeschaltet werden.
Sein neues Codec konnte jedoch von sich aus eigene Verbindungen aufbauen, dazu hatte es unter anderem eine Sprachsteuerung, mit der er in den letzten zwei Tagen etwas "rumgespielt" hatte. Es war ein praktisches Spielzeug.

"Ja, ich habe mich bereits sehr damit vertraut gemacht", erwiderte er und machte dabei eine Geste gen linkes Ohr. "Steht heute direkt etwas an, oder kann ich mich erst einmal genauer umsehen und einrichten?" - "Termine und Besprechungen sind erst für morgen angesetzt. Sofern also keine Kategorie D Einsätze anfallen, sollten sie einen ruhigen ersten Tag haben", erklärte Rezlan kurz und verließ danach das Büro, denn ihr eigenes befand sich eine Tür weiter.

Das ist gut, dachte er bei sich, und schickte sich an, den Raum mit seiner neuen ID-Karte zu verlassen, um schließlich die ganze Insel einmal zu erkunden... Sein bisher noch spärlich ausgestattetes Büro wollte er sich später einrichten.


"But I'am still here!
I'm still alive!"

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30-09-2011, 16:34 PM
Beitrag #14
RE: Am Abgrund der Zeit
In der Notaufnahme regte sich das Personal,
es war ein Tag wie jeder andere,
entweder kamen sanfte Notfälle hinein,
oder wieder mal die ganz schweren.
Überall sah man Pflegepersonal herumlaufen,
hier mal einen Infusionsständer in der Hand,
ein EKG-Gerät am herumrollern
oder irgendwelche Akten,
die sie für eine anstehende Not-OP brauchten.
Alexinara hüpfte gerade im Untersuchungsraum 1 herum,
wo sie eine vergleichsweise normale Armverletzung wieder verbunden hatte.
Das Krankenhaus hatte in der Notaufnahme sechs Untersuchungszimmer,
zwei Spezialzimmer für die besonderen Fälle und einen großen Raum,
wo sechs Betten standen, getrennt durch dünne Papierwände,
in denen mehr oder minder Überflüsse der Notaufnahme untergebracht wurden.
Viele dieser Fälle konnten eh nicht mehr gehen
oder waren schlichtweg bewusstlos.

Gerade wollte sie sich den nächsten Patienten samt Akte schnappen,
als sie einen bekannten Blauton in den Augenwinkeln ausmachte,
sie drehte sich um und erkannte die Haare und das Gesicht dazu.

"Na schau mal einer her,
wer taucht denn da auf?",

sagte sie und schnappte sich den Neuankömmling mit einem
"Komm ma schnell mit" auf den Lippen gen Büro.
Dort angekommen schloss sie erstmal die Tür hinter sich,
die Kollegen mussten ja nicht alles mitbekommen.

"Sag an, was verschafft mir die Ehre, dich hier zu sehen?
Mal abgesehen davon, meine Güte, du siehst gut aus, alter Freund,
hattest die letzten Jahre wohl genug um die Ohren, hm?"


In einer freudigen Umarmung ließ sie die Frage enden,
schon lange hatte sie keinen mehr aus ihrem Trio gesehen,
dass jetzt Lor vor ihr stand, war mehr als eine freudige Überraschung.

"So, nun schnapp dir nen Kittel,
sonst wird es nichts mit dem Plausch,
schließlich versuche ich, hier zu arbeiten",

sagte sie mit einem Kopfnicken gen Kleiderhaufen,
wo sicherlich auch ein Kittel in Lors Größe zu finden war.
Wie erwartet kam schon die Schwester hineingestürmt,
ihr Blick direkt auf die Vampiress gerichtet, leicht gehetzt.

"Wir haben einen Notfall,
Blinddarmentzündung,
für eine OP hat der junge Mann sicherlich keine Zeit mehr,
das Ding steht kurz vor der Explosion",


teilte sie hektisch mit und erhielt nur ein Nicken von ihr.
Das schien sie anscheinend gewohnt zu sein,
denn sie ging schon wieder aus dem Zimmer,
die Tür hinter sich schließend.

"Na, Lust auf Wunderheilung?
Wir könnten ganz schnell für ein bisschen mehr Zeit und Ruhe sorgen",


sagte sie grinsend und verließ das Zimmer,
in einem weißen Kittel würden selbst die blauen Haare nicht seltsam wirken,
schließlich war ein Vampir im weißen Kittel auch nicht mehr so erschreckend.

~*~
"Beginning new,
something I lost long ago."
~*~
Lexia
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04-10-2011, 15:19 PM
Beitrag #15
RE: Am Abgrund der Zeit
Neugierig sah das Blauhaar sich um, lugte um eine Ecke, musste aber fix den Kopf zurückziehen, damit ihn der Pfleger nicht mit dem Tropf erschlug. Er registrierte ihn gar nicht und eilte direkt weiter, worauf Lor nur den Kopf schüttelte und um die Ecke wanderte.
Ehe er sich versah, hatte er die Vampirin auch direkt gefunden, die ihn sofort mitzog und in ein nahes Büro steckte. Kaum war die Tür zu, wirkte es gleich etwas angenehmer und ruhiger.
"So kann man es sagen", antwortete Lor auf ihre Frage, "Nach einem kleinen... Vorfall musste ich untertauchen und wurde direkt von der Straße gefischt. Und da ich jetzt gerade in der Gegend war, dachte ich mir, ich sollte meinen Vorgesetzten einmal etwas ärgern und die Verbindung abbrechen, nachdem er über den letzten Einsatz nicht ganz so glücklich war." Grinsend zeigte er knapp das abgeschaltete Armband, erwiderte die Umarmung liebevoll und strich ihr sanft über das Haar.
Auf ihre Anweisung hin suchte er sich fix seine Größe aus den Sachen heraus, warf sie gerade über, als schon eine Schwester hereinstürmte - wortwörtlich, die Tür musste arg gegenhalten, um nicht aus den Angeln gerissen zu werden - und nach der Ärztin verlangte.
Als sie wieder fort war, grinste er. "Zu Arbeiten versuchst du, soso, das ist ja etwas ganz Neues", neckte der Krasáne sie und beschwor anbei die Fingerlinge aus seinem Inventar; kleine Kappen aus anschmiegsamem, weichen Leder, die sich auf die Fingerkuppen und das gesamte erste Fingerglied setzten, wodurch die langen Krallen verschwanden, die hier eher unpraktisch waren.
Fragend sah er auf. "Wunderheilung? Nennt man das heute so? Ist ja ein abgegriffenes Wort..." Etwas verärgert schüttelte das Blauhaar nur den Kopf. "Und meinst du dich oder uns beide? Ich kann heilen, aber ich bin kein zugelassener Arzt." Ein Lächeln beendete seinen Satz und er folgte ihr direkt.
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04-10-2011, 16:47 PM
Beitrag #16
RE: Am Abgrund der Zeit
Der Weg zu Fuß durch die Stadt zog sich für den Fuchs zu einer kleinen Ewigkeit, der Schmerz in seinem Arm und das rasche Tränken seines Verbands in ein dunkles Rot waren mehr als unangenehm.
Endlich in dem großen Gebäude angekommen, untersuchte er zunächst den Eingangsraum. Gewöhnlicher, weißer Linoleumboden, und es zogen sich verschiedenfarbige Linien durch die Gänge, an jeder "Kreuzung" hing eine Tafel, die erklärte, welche Farbe zu welchem Bereich des Krankenhauses führte. Koron trat an den großen Schalter relativ in der Mitte des Raumes heran, und sofort wurde er von einer Dame in den vierzigern begrüßt, die ihre dreckig-blonden Haare schlampig zu einem unordentlichen Pferdeschwanz gebunden hatte. "Was fehlt Ihnen?", kam es relativ harsch.
"Ich hab da eine kleine Schusswunde am Arm, tut höllisch weh", entgegnete der Fuchs seelenruhig, als sei es etwas Alltägliches, den Unterarm durchfeuert zu bekommen. Die Empfangsdame zog leicht ungläubig eine Augenbraue hoch und lehnte sich etwas über den Schreibtisch, den blutdurchtränkten Verband kurz betrachtend.
"Krankenkarte?", kam es erneut harsch.
"Ist grad ganz schlecht."
"Na schön... Dann den Namen?"
"Koron Fhang, mit einem H nach dem F."
Die Dame tippte etwas in ihren Computer und schaute den Fuchs dann wieder an, "Untersuchungszimmer 2. Orangefarbene Linie, falls Sie Farben sehen können.".
Sah er aus wie ein Straßenköter? Koron verbeugte sich leicht, und mit einem "Zu liebenswürdig." machte er sich auf den Weg.
Als er etwas zu schnell um eine Ecke biegen wollte, rempelte er versehentlich einen der Ärzte an, eine große Gestalt mit leuchtend blauem Haar, begleitet von einer jungen Frau mit langem, schwarzen Haar und einer schlanken Figur, wobei er etwas Blut von seinem Verband über den leuchtend weißen Arztkittel schmierte. "Ach scheiße, verdammt. Tut mir Leid, ich hätte besser aufpassen sollen."

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05-10-2011, 09:30 AM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07-10-2011 11:00 AM von Raphael.)
Beitrag #17
RE: Am Abgrund der Zeit
Kaum hatte er einen Schritt aus dem Verwaltungsgebäude getan, suchte der Blick des Magiers bereits nach seinen Teamkameraden. Dabei schaute er zuerst bei den Drachenstreitern, deren Gefährten in riesigen Hallen einen Unterschlupf fanden. Vor einem dieser Gebäude fand gerade eine Übung statt, bei der er gewiss nicht stören wollte - das konnte schließlich auch gefährlich werden, wenn man bedenkt, dass manche der geflügelten Wesenheiten auch des Feuers mächtig waren.
Weiter links erspähte er eine recht weite Fläche, die bis zu einem Elektorzaun reichte. Letzteren sah man von seiner Position aus nur angedeutet.
Nachdem klar war, das sein altes Team wohl nicht gerade auf dem offenen Platz war, schritt er in Richtung der Quartiere. Selbige wurden von einer massiven Stahl-Titan-Tür, die angeblich sogar einer Atomexplosion standhalten konnte, versperrt. Eine gute Gelegenheit zum ersten Mal seine neue ID-Karte auszuprobieren.

Kaum gedacht - schon war die Tür offen, und gab einen längeren, beleuchteten Flur preis, der des öfteren von Kreuzungen durchzogen wurde. Der allgemeine Aufenthaltsraum befand sich die dritte Tür links. Das Tor schloss sich automatisch hinter Raphael, als er den ebenen, metallenen Boden des Flurs entlangschritt.
In Gedanken fand er sich wieder, als er sich an die Akten seiner Teamkameraden des Squad D erinnerte - Die einzige Einheit der ISF, die ausschließlich aus Kategorie D Individuen besteht.


Lumas Sakosh – Das schwarze Eis (Black Ice)

Lumas ist ein stämmiger Afroamerikaner dessen Spezialgebiet im Element des Eises liegt. Er vermag es dadurch Wege zu schaffen, zum Beispiel Eisbrücken, wo vorher keine waren. Wenn man mit ihm unterwegs ist, bietet es sich an spezielles Schuhwerk mit Spikes oder ähnlichem anzuziehen, um nicht von dem Einsatz seiner Kräfte beeinträchtigt zu werden.
Lumas ist ein eher ruhigerer Zeitgenosse, und sein Glaube liegt tief verwurzelt in der Religion seiner Ahnen. Er selbst sieht sich als ein Auserwählter, dazu bestimmt die Kräfte des Kalten für die Ehre seiner Familie einzusetzen.
Julia Zun – Der Gedankenschauer (Mind shiver)

Julia zählt zu den wenigen Psi-Talenten der Kategorie D. Ihre Fähigkeiten sind bisweilen sehr mit dem Argwohn anderer verbunden. Zu diesen Möglichkeiten zählen: Psychokinese, Gedankenlesen, und Betäubung. Sie verabscheut das Töten, lebt aber aufgrund ihrer Gedankenlese-Fähigkeit eher zurückgezogen, da viele vermeintliche Verehrer es doch eher auf ihre äußere Schönheit abgesehen hatten, als auf eine wirkliche Beziehung. Ihr Heimatland ist Schweden, entsprechend blass ist ihre natürliche Hautfarbe.
Ihre Kräfte werden auch oft bei Verhören eingesetzt, die eine entsprechende Dringlichkeitsstufe vorweisen.
Ban Orio – Der donnernde Blitz (Riding Lightning)

Ban hätte bei einem Test seiner Kräfte beinahe die Kategorie E zugewiesen bekommen, hatte man doch erst gegen Ende gesehen, wie sehr ihm bestimmte Aktionen Kräfte rauben. Sein Spezialgebiet sind Blitze aller Art. Er kann sich selbst in einen Strom reiner elektrischer Energie verwandeln und so durch die Welt reisen. Größere Wirkungen, wie ein starkes Blitzgewitter sind für ihn zwar möglich, doch nur beschränkt zu kontrollieren. Des weiteren kostet es ihm ungemein viel Kraft.
Von außen würde man ihm seine Stärke nicht ansehen, gehört er doch zur Rasse der Elim – einer doch recht speziellen Art. Das Haupt ist vollständig vom Haar befreit, die Ohren laufen leicht Spitz nach oben, sind aber etwa so groß, wie die von Menschen. Ebenso ist die Körpergröße bei 170-180cm doch im selben Bereich wie die von Menschen. Ein weiteres Merkmal sind die eher auffälligen Wangenknochen, die die Haut etwas stärker nach außen wölben.
Zu seinen Charaktereigenschaften gehören Ehrgeiz, Enthusiasmus, sowie, passend zu seinen Kräften, eine gewisse „Sturmhaftigkeit“.
Maltas Orio – Das Mimik (Mimic)

Der Nachname lässt es bereits vermuten – Maltas und Ban sind miteinander verwandt. Laut den Aufzeichnungen sind sie Brüder, doch konnte man dies nie durch einen genetischen Test bestätigen, denn Maltas ist ein Mimik. Er vermag es sich in alles und jeden zu verwandeln, und kann dabei Kräfte von anderen kopieren, die auf physischen Eigenschaften, oder auf elektromagnetischen Wellen des Körpers basieren. Für ihn ist es ebenso möglich, sich in nicht lebende Gegenstände zu transformieren, ohne dabei zu sterben.
Meistens läuft er in einer humanoiden Gestalt herum, mit einem hellbraunen Mantel bekleidet.
Aufgrund seiner Fähigkeit kann er von keinem physischen Leiden, wie Vergiftung, Verstrahlung oder ähnlichem betroffen werden, da ein solches auf die physische Struktur eines Körpers zielt, und er diese jederzeit nach belieben anpassen kann.



Raphael hatte vor fünf Tagen erfahren, dass er befördert werden sollte, und war seitdem vom aktiven Dienst befreit gewesen, um sich intensiver mit seiner neuen Rolle, und dem Katalog vertraut zu machen. Insgesamt hat er die Zeit aber eher für das Codec, und ein wenig Entspannung genutzt.
Allerdings hat der Wächter seit diesem Tag nicht mehr mit seinen Kollegen sprechen können.

Die Tür zum Aufenthaltsraum öffnete sich, und direkt ein Stück weiter rechts erspähte der Schwarzhaarige Lumas. Dieser lehnte gerade an einem mittelhohen Schrank, und hielt ein Glas mit irgendeinem Getränk in der Hand. Ban war auch in dem für acht Personen gedachten Raum. Der stürmische saß gerade an einem von zwei Tischen, und knabberte an einem Schokoladenriegel.
Mit einem lächeln sprang er direkt auf: "Hello Raphael! Nice to see you again!" Ein Nicken begleitete Raphaels entgegnenden Gruß. "Hello you two. Is everything alright, or are they some problems, which I should solve in the future? After all I now have to care about the hole unit." Lachend winkte Ban ab. "No, there is no need to care about us. Each of us is like a fortress - Even in a Storm, we stand as if it was nothing."
Lumas, der sich bisher eher zurückgehalten hat, pflichtete ihm bei, ergänzte aber: "It's nice to see you in the Leader Position of the ISF. So we can finally hope of some... more coffee!", lachte er laut. War der Automat etwa schon wieder kaputt? Doch darum konnte er sich ein andernmal kümmen, zunächst wollte er auch die anderen noch einmal begrüßen.
"I will care about it", antwortete der Magier noch. "But for now - where are the other two?" - "I think, they're in Julias room - You know about her special... position versus our mimic."
Raphael war die besondere Beziehung zwischen Julia und Maltas schon länger aufgefallen. Aufgrund seiner Wandlungsfähigkeit war es Maltas möglich nicht nur seine eigene Gedankenwelt vor den Einflüssen des Gedankenlesens zu schützen, vielmehr konnte er ein gewisses Maß dieser Fähigkeit von ihr kopieren, und sie somit weit eher verstehen. Er dachte stets, dass es ihr wohl sehr gut tut einmal ein nicht offenes Buch vor sich zu haben, wobei Julia auch Raphael selbst gegenüber bisweilen misstrauisch war, konnte sie doch in seine Gedankenwelt nur eindringen, wenn er dies zulies.

Der Wächter setzte sich schließlich mit zu Ban an den Tisch, und die drei plauderten über die Einsätze der letzten Tage.


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05-10-2011, 09:56 AM
Beitrag #18
RE: Am Abgrund der Zeit
Alexinara schüttelte den Kopf und bog in den langen Gang ein,
der zu beiden Seiten die normalen Untersuchungszimmer beherbergte,
es herrschte immer noch reges Treiben, doch keiner schenkte dem "Extraarzt" seine Aufmerksamkeit.

"Nein, nein, das war ein Scherz",

betonte sie nochmals und betrat das Büro,
wo alle Zugänge den Ärzten mitgeteilt wurden.
Wenn Akten vorhanden waren, fand man sie auch dort,
plus etwaige Diagnosen und Nebenerkranken,
eben die ganze Bandbreite der Aufnahme eines Patienten.

"Du hast nen Kittel an, d.h. du bist nun Arzt.
Ob du jemanden operierst oder Heilung betreibst, ist egal,
sofern das Ergebnis stimmt",


sagte sie und zwinkerte ihm zu, während ihre Hand einen Stapel an Akten ergriff,
die schon vorsorglich in ihrem Fach abgelegt worden waren,
schließlich konnte sie mehr Arbeit erledigen als andere Ärzte und die besonderen Fälle kamen direkt bei ihr an.
Oder sie stellte die Stationsärzte und Personal auf eine Runde Kaffee ein und nutze ein etwas breiteres Spektrum ihrer Fähigkeiten,
damit ein Überfluss an Notfällen schnell behandelt werden konnte,
dies hatte sich an einigen Tagen als besonders hilfreich erwiesen
und gleichfalls viele Sympathiepunkte für die Vampiress gebracht.

"Okay, gehen wir zum Blinddarm,
ich denke, der muss als erstes versorgt werden,
danach schauen wir mal, was noch ansteht."

Sie wedelte mit den Akten hin und her,
an der Zahl waren es vielleicht zehn, und ging wieder in den Gang hinaus,
der Notfall befand sich im großen Untersuchungsraum,
der am Ende lag und durch eine große Doppeltür erreicht werden konnte.
Gerade wollte sie wieder ansetzen etwas zu sagen,
als jemand Lor anrempelte und somit auch ihre Bewegung innehielt.

"Wer blutet denn hier herum?
Wie ist dein Name?
Ist da noch was drinne,
oder können wir das gleich behandeln? "


Sie zog die Augenbraue hoch und besah sich noch das Blut,
welches sich großzügigerweise auf den neuen Kittel von Lor abgelassen hatte.
Ihr Blick ging zu ihrem Freund und dann zum fremden Verletzten,
danach richtete sie ihren Blick auf die Akten,
zumindest schien es so.

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06-10-2011, 09:05 AM
Beitrag #19
RE: Am Abgrund der Zeit
Lors Ohren stellten sich steil auf, das hieß, noch gerader als sonst, in höchster Aufmerksamkeit. Sein Blick fiel auf sein Gegenüber, ein Schwarzfuchs, korrekter ein Werfuchs, dem es den Arm zerledert hatte, aber sein Instinkt sagte ihm, dass der Verband schon vorher da war. Es roch nach Eisen.
"Da ist noch etwas drin, komm' gleich mal mit, das kann ich entfernen. Du", er sah zu seiner Kollegin auf, die Sprache hatte sich einem ärztlichen Dasein von selbst angepasst, "kümmerst dich um den anderen, der hat es dringender. Wo kann ich fix den Patienten hier behandeln?"
Mit der Frage sandte sich die Absicht, lediglich die Kugel zu entfernen und es direkt zu heilen, dann war Ruhe.

Eigentlich gefiel dieses Gebiet Lor, aber damals, noch vor über zwanzig Jahren, als er lediglich in der Tarnung eines Menschen verweilte wie so viele andere, die sich jetzt offen zeigen konnten, hatte er es nicht geschafft aus wideren Umständen, die Ausbildung weiterzuführen, so gern er doch behandelt hätte.
Die Vampirin hingegen hatte stets ein Händchen dafür gehabt und er gönnte es ihr auch, sie ging in diesem Job auf wie nirgends, wobei es nie schien, als ob es überhaupt eine Anstrengung darstellte.
Nachdem schließlich dieser Kerl damals ihn bedroht und fast umgebracht hatte, den der Krasáne in Notwehr tötete, war er von Jolèk einfach weggefischt worden, schon in der nächsten Seitengasse. Schneller als ihm lieb gewesen war, hatte der Mann ihm ein mit irgendetwas getränktes Taschentuch vor die Nase gehalten, aber leider damit auch direkt vergiftet, weil Krasánen allgemein sehr anfällig für derlei waren. Was für Menschen nur Betäubungsgas war, konnte einen der ihren leicht töten, in zu hoher Dosierung.
Und als das Blauhaar wieder aufgewacht war, saß er irgendwo unter den Straßen Berlins fest. Der erste Bedienstete, der zur Tür hereinkam, wurde ebenso niedergestreckt, dann flüchtete ein Vierbeiner fast bis zur letzten Ausgangstür, wo ihn der Geselle aufhielt und ihm in ruhiger Manier erklären wollte, wie wo was. Nachdem er die Akten erwähnte, wusste Lor, dass er erst einmal keine andere Wahl hatte.

Das war vor vielleicht fünf Jahren. Die Restzeit hatten seine Peiniger seine assassinenartige Fähigkeit zu nutzen gewusst, und er konnte nicht leugnen, dass es manchmal Spaß machte. Manchmal...
Angewidert legte er das Armband ab, auch wenn es ihm einen leichten Stromschlag versetzte. Unter heilender Hand waren die verdorrten, braun sichtbaren Adern rasch wieder zum Leben und Pulsieren gebracht.
Er hatte keine Lust mehr, vor allem, nachdem er seine altbekannte Vertraute wiedergefunden hatte. Wo war eigentlich Raphael...? Lor schaute auf und lächelte den Fuchs an, die Gedanken und Bilder hatten nur Sekundenbruchteile gebraucht, um durch den Kopf zu geistern.
"Wollen wir?"
Er wandte sich leicht zum Gehen.
Raphael... War der nicht bei dieser neuen Organisation gelandet, nachdem er irgendwo seine Kräfte nutzte, um wen zu retten, der sich und die Umgebung fast gesprengt hätte?
Irgendsoetwas. Wie immer, grinste das Blauhaar innerlich. Nach all den Jahren wäre es toll, einmal wieder zusammenzutreffen. Auch wenn jeden etwas anderes festhielt, der Job und all das... Man würde sehen.
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06-10-2011, 18:10 PM
Beitrag #20
RE: Am Abgrund der Zeit
"Wer blutet denn hier herum? Wie ist dein Name?", kam es sofort von der Ärztin, die offensichtlich sehr in Eile war.
"Koron Fhang. Ich glaube nicht, dass da was drinsteckt, fühlt sich an, als wär es direkt durch den Knochen geschossen", erwiderte der Fuchs rasch. Das Blauhaar nahm ihn mit in eines der Behandlungszimmer, wo er sich hinsetzte und den Verband gerade so weit entfernte, dass die Schusswunde frei war, wollte er doch nur ungern seine Klaue preisgeben. Als er selbst jedoch einen kurzen Blick auf die Wunde warf, weiteten sich seine Augen ein wenig. Hier und da verfärbte sich Gewebe pechschwarz, ausgehend von den Adern, und das Blut, das noch immer heraustropfte, hatte hier und da schwarze Klumpen in sich. *Scheiße, warum muss es auch gerade jetzt wieder so weit sein?!*, dachte er sich und bedeckte die Wunde sofort wieder. Vielleicht war es besser, jetzt niemanden einen Blick in seinen Arm werfen zu lassen. Andererseits, wenn die Verletzung jetzt nicht behandelt würde, wer wüsste, was passieren könnte.
Zögernd nahm der Fuchs seine Hand wieder von seinem Arm und wartete seufzend die Reaktion des Doktors ab.

°o.-~*~-.o°
Mir fällt kein toller geistreicher Spruch ein.
Hier habt ihr einen grinsenden Toast zum Ausgleich.
.-~*~-.

ManFox

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